Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Neue Synagogen
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 544 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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544 MENORAH keine auf den Hauptraum drückende Wirkung entsteht (letzteres ein sehr häufiger Fehler), und daß große Freiheit des Tempelraumes erzielt wird. Die klare Würfelform des Tempels ist durch eine horizontale Holzdecke abgeschlossen (die akustisch von großer Bedeutung ist). Wesentlich für die feierliche und geschlossene Raumstimmung ist das Nichtvorhandensein eigentlicher Fensteröffnungen. Es ist vielmehr der obere Teil der seitlichen Raumwände in eine enge Reihung schmälster Lichtschlitze aufgelöst, durch welche das Tageslicht fein gespalten, ohne Blendwirkung und doch reichlich eindringt. In reicherer Weise ist nur die breiter gelagerte Ostnische ausgestaltet gedacht, welche die Fassung der gottesdienstlichen Handlung bildet; hierauf findet die Konzentration der Andächtigen statt. Der Chor ist ohne sich wichtig vorzudrängen, in die obere Ostwand in ruhiger, wagrechter Schlitzform eingeschnitten. Es ist in allem eine herbe Gebundenheit und Geschlossenheit angestrebt; in dem Gott geweihten Sammlungs- und Versammlungsraum, aufgelockert durch Farbe und zerstreutes Licht, soll weihevolle Feierlichkeit herrschen, ohne Lauheit und ohne Prunk Eine spätere Schrift, „Blätter der Erinnerung an die Weihe der Synagoge Plauen i, V.", herausgegeben von der Israelitischen Religionsgemeinde des Ortes zum 6. April 1930, enthält dann noch nähere Einzelheiten zur Geschichte und Anlage jenes Baues; am wichtigsten ist, was sie über die im Westen und Erdgeschoß des Hauses untergebrachten Räumlichkeiten aussagt: .....der Westteil des Hauses bot den Raum für die Verwaltung, Logenräume und Logentempel; im Erdgeschoß für den Haupteingang unter der Pfeilerhalle, für die große und kleine Vorhalle, Wochentagssynagoge, Aufgang zum Kultraum und Verwaltungstreppe. Ein großer Garderoberaum kann einerseits bei Gottesdiensten, anderseits — von der kleinen Halle aus — bei Gemeindesaalbenützung verwendet werden. Ein Nebeneingang führt zu Predigerzimmer, Chor und Nottreppe, zur Gemeindesaalküche und zur Hausmeisterwohnung, sowie zum Hof (auch zu Keller und Heizanlage)'4. Es ist also der einfache langgestreckte Bauwürfel, den unsere Abbildung zeigt, zugleich Gemeindehaus (mit Logenheim) und Synagoge. Er dient allen oder nahezu allen Zwecken des jüdischen Gemeinlebens. Das ist wohl nur an kleineren Orten möglich. Trotzdem ist es so sinnvoll, daß man auch anderwärts darauf achten müßte: Naheliegende Erwägungen ökonomischer Art haben liier zu einer Vereinigung von Kult und Kultur unter einem Dach geführt, wie sie vergleichbar auch in vergangenen Zeiten unserer Geschichte bestanden