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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 542

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Neue Synagogen
Date
1930-11-01
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
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542 MENORAH Anlage ein- oder zweiseitiger Galerien für die Frauen geben einen gewissen Sondercharakter. Von einer organisch entwickelten Bau- und Raumlösung aus den Bedingungen des Kultes und des jüdischen Wesens kann aber keine Rede sein. So sehen wir in der mittelalterlichen Prager ,,Alt-Neu-Schule" ein gotisches Kirchlein; in dem alten Wiener Tempel einen fast festlichen kleinen Ovalraum der Empirezeit, die liebenswürdig ausgemalten Landsynagogen Frankens — trotz des jüdischen Malers — als Zeugen süddeutscher, barocker, teilweise ländlicher Kunst. Es kann daher ein charakteristischer Typ des Synagogenbaues als ein vorhandener Wert der Tradition meines Erachtens nicht festgestellt werden. Nach der schlimmsten Bauepoche (1870 bis 1900) setzte eine gründlichere und geistvollere Baugesinnung auch bei Errichtung jüdischer Gotteshäuser ein, dies meines Wissens zuerst in Deutschland; es geschah solches gleichzeitig, wenigstens zum Teil mit dem Auftreten jüdischer Architekten als Erbauer (neuere Synagogen dieser Epoche sind, als bessere Beispiele, jene von Berlin, Essen, Frankfurt a. M., Mainz). Die letzte Vorkriegssynagoge war die Synagoge zu Augsburg, deren Bau mir übertragen worden war. Die Verhältnisse nach dem Kriege vereitelten weitere Ausführungen. Sie gaben dagegen Zeit zur Selbstbesinnung sowie Antrieb zu neuem geistigen Erfassen — und damit zu neuer Gestaltung auch auf diesem Gebiete. Zum erstenmal ward mir von der Gemeinde zu Plauen i. V. die Aufgabe zuteil — wiederum für eine liberale Gemeinde — ein Gemeindehaus mit Synagoge im neuzeitlichen Sinne durchzuführen. Ich fand dort größtes Verstehen und Eingehen auf meine Gedanken und mein Wollen sowie tätige Mitarbeit. Man war damit einverstanden, daß eine neuzeitliche Synagoge und Kirchenbaukunst nur aus einer Durchdringung der kirchlichen und kultischen Tradition mit der Kunstsprache der Zeit entstehen kann. Diese Zeitsprache ist nicht Selbstzweck, sie hat vielmehr die Aufgabe, Gehalt zu formen — wie jede Sprache! In unserem Falle: es muß in einer edlen, gediegenen, das ist ehrlichen Bauweise ein folgerichtig entwickelter Organismus geschaffen werden mit starkem und echtem Ausdruckswert, so zwar, daß insbesondere der Kultraum die Seele des Besuchers zum Mitklingen bringt und zur Andacht führt. Der Raum selbst muß zum weihevollen Symbol werden. Er erhielt — im Plauener Bau — eine feierliche Geschlossenheit; die Raumform ist einfachst und klar überschaubar; jedoch neuartig sowohl im Querschnitt wie in der Ausgestaltung; er erzielt, wie ich glaube, einen typischen Ausdruck des jüdischen Kult-

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