Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1930)
- Article
- Schalom Asch erzählt sein Leben
- Date
- 1930-11-01
- Page
- Seite 533 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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SCHALOM ASCH ERZÄHLT SEIN LEBEN 533 ja sie in gewissen Formen sogar für schädlich halte, bin ich doch, seit ich Palästina zum ersten Male sah, ein eifriger Anhänger der Befruchtung des verwüsteten Landes durch produktive jüdische Arbeit. Die Landschaft und der jüdische Idealismus, der sich überall im Lande so deutlich kund gibt, haben mich zu einem Anhänger der jüdischen Kolonisation gemacht, doch ohne jede Ideologie oder Aspiration auf einen „Judenstaat". Diesem Problem habe ich viele Aufsätze und Reden gewidmet. Später folgten noch zwei Reisen in das Land. Vor einiger Zeit wurde ich auch als Mitglied der „Jewish Agency" gewTählt. Meine nächste Reise ging nach A meri k a, um meine Eltern und Geschwister zu besuchen. Mein Vater lebte nicht mehr. Kurz vor seinem Tode hatte er die schwierige Rückreise nach Polen unternommen, da er in keinem anderen Lande sterben wollte als in dem, wo er geboren war, und in der Erde begraben zu sein wünschte, wo seine Eltern lagen. Ich brachte auch meine Mutter aus Amerika nach Polen zurück; sie wohnt in unserer Geburtsstadt bis heute. In Amerika lernte ich zum ersten Male das jüdische Arbeiterleben, seine Bestrebungen und HofTnungen kennen. Seither stehe ich ihm nahe und widme alle meine Kräfte der jüdischen Demokratie. Schon damals trat ich in enge Verbindung mit dem Blatt, in dem alle meine Arbeiten bis heute zum ersten Mal das Licht der Welt erblicken, dem „Vorwärts". Die jiddische Literatur verfügt über sehr wenig spezifisch literarische Zeitschriften. Sie werden durch die Tageszeitungen ersetzt, in denen die größten jiddischen Schriftsteller, wie Mendele, Scholem Alejchem, Perez und andere ihre Werke zum ersten Mal veröffentlichten. Ich tat es ihnen nach; in Amerika erscheinen meine Werke zuerst im „Vorwärts", in Polen in dem bekannten jiddischen Tagblatt „Der najer II a j nt". „Der Gott der Rache" war mein Segen, aber auch mein Fluch — darum: hütet euch vor Jugenderfolgen! Seither verwies mich alles auf „Gott der Rache". Weder „Der Bund der Schwachen", der in Reinhardts Kammerspielen zur Aufführung kam, noch die Komödie „Familie Großglück", die in Wie n gespielt wurde, hatten Erfolg. Ich bekam Angst vor dem Theater; denn ich fürchtete, das Schicksal so vieler Schriftsteller zu teilen, — von dem Wolf „Theater" verschlungen zu werden. So hörte ich denn auf, Dramen zu schreiben. Aus demselben Grund ließ ich mich nicht in Berlin nieder, sondern in Paris. Wien kannte ich damals noch nicht. Für die Malerei aber hatte ich stets eine Schwäche; sie ist die einzige mir verständliche und nahestehende Kunst.