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Menorah · 1930-11-01 · Heft 11-12 (November 1930) · p. Seite 532

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 11-12 (November 1930)
Article
Schalom Asch erzählt sein Leben
Date
1930-11-01
Page
Seite 532 (sequence 22)
Language
German
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532 MENORAH bei dem mich Kahan als begabten jungen Dramatiker eingeführt hatte, in Karlsbad zusammen und las ihm „Gott der Rache" vor. „Und Sie wollen, daß ich dieses Stück vor jüdischen Frauen spiele? Niemals!" — so lautete Adlers Entscheidung. Ich war verzweifelt, doch ich glaubte an mein Werk. Mein Erfolg auf der russischen Bühne machte den Übersetzer von Gorkijs „Nachtasyl", Herrn Schulz, auf mich aufmerksam und eines Tages erhielt ich von ihm einen Brief samt dem Ausschnitt eines Artikels, den er im „Berliner Tageblatt" über mich veröffentlicht hatte; zugleich fragte er, ob ich nichts Neues hätte. Zu Beginn des Winters reiste ich nach Berlin und suchte Herrn Schulz auf. Er brachte mich zu Reinhardt. „Das Stück besitze ich nur im jiddischen Original!" bemerkte ich zu Reinhardt. „Ich möchte hören, wie es im Original klingt" - war die Antwort Am selben Abend fand die Vorlesung statt. Anwesend waren Reinhardt, Hermann Bahr, Kahane und Felix Holländer. Reinhardt verstand alles, Kahane nur einzelne Stellen, Bahr und Holländer gar nichts. Reinhardt gab ihnen Erklärungen .. . Am nächsten Tag konnte ich meiner Frau die für uns so wichtige Entscheidung telegraphieren: Angenommen! Auch auf der russischen Bühne hatte „Der Gott der Rache" sehr großen Erfolg. Ich reiste zur Premiere nach Petersburg. Hier muß ich voll Dankbarkeit der brüderlichen Liebe und Freundlichkeit gedenken, die mir die russischen Schriftsteller, vor allem der schon damals berühmte A n d r e j e w, bewiesen. Er setzte es durch, daß meine Erzählungen im Almanach „Schipownik" erschienen, an dem er mitarbeitete. Auch G o r k i j kam mir später in freundschaftlicher Weise entgegen; er druckte meine Arbeiten in der von ihm herausgegebenen Sammelschrift „Znanje" ab, die ebenso wie die vorher genannte zu den verbreitetsten in Rußland gehörte. In Deutschland vermittelte als erster der Verlag S. Fischer meine Werke dem deutschen Publikum; hier sei ihm dafür aus tiefstem Herzen gedankt. Nach dem Erfolg von „Gott der Rache" machte ich meine erste Reise nach Ägypten und Palästina. Das Land meiner Väter hat meinem Schaffen einen unauslöschlichen Stempel aufgedrückt. Nach dieser Reise stand ich längere Zeit unter dem „Terror" biblischer Motive, denen ich ohne sonderlichen Erfolg einige Jahre meines Schaffens widmete. Obgleich ich eigentlich der zionistischen Ideologie fernstehe,

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