Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Juden in der polnischen Literatur
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 495 (sequence 5)
- Language
- German
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JUDEN IN DER POLNISCHEN LITERATUR 495 aus Marmor gehauen. Im Gegensatz v.u den bisher besprochenen Dichtern behandelt Braun auch oft jüdische »Stoffe und alle Schicksalsschläge, die das Judentum treffen, linden in seinen Liedern ihren poetischen Widerhall. Gelegentlich der Freisprechung Schwarzbards schrieb er ein jubelndes Gedicht, ein Beweis für sein ehrlich jüdisches Herz. Seine Liedersammlung ,,Werke der Hände'"' brachte ihm einen großen Namen. Auch unter der jüngsten polnischen Dichtergeneralion gibt es viele Juden; erwähnt seien: Dr. Julius F e 1 (1 h o r n, junger Dichter und Gelehrter, ein Meisler der Sprache, dessen lyrische Begabung sein Wissen noch überragt, schrieb ein Gedichtbuch ,J)omy", Übersetzung allitalienischer Klassiker sowie eine prachtvolle Übertragung des „Schir Ilaschirim" (des Hohenliedes Salomons). Irena T u w i m, aus deren Sammlung „Briefe" vieles schon in fremde Sprachen übersetzt wurde. Hornau B rti n d s te t e r, Enkel des verstorbenen hebräischen Erzählers M. D. Brandsteler (der zweite Enkel, den die hebräische Literatur der polnischen schenkte), ein thematisch einseitig orientierter Autor, der aber talentiert ist und über eine ansehnliche Technik verfügt, und endlich der Ukrainer S 1 o b o ein i k, der erst vor kurzem nach Polen kam. Sein Gcdichlband „Ein Gebet für ein Wort" ist zwar edel und stilvoll, läßt über den Kampf, den der Dichter um die Beherrschung der polnischen Sprache auszufeel) len hat, noch zu sehr merken. Von den Juden, die sich mit dem polnischen Roman befassen, ist vor alten anderen Janusz K o r c z a k (Dr. Goldschmidt) zu nennen. Er ist einer der besten polnischen Psychologen, ein Mann der neuen psychoanalytischen Erkenntnis. Seine besondere Spezialität ist die Kinderpsychologie. Die meisten seiner Stoffe sind aus dem Leben der Kinder genommen. Korezak hat einen neuen Stiltypus für die polnische Prosa geschaffen. Besonders beliebt sind seine psychologisch-phantastischen. Bücher bei der Jugend, wie der „König Maciusz" u. a. Seil einiger Zeit hat sich Korezak der erzieherischen Tätigkeit zugewendet und seine literarische Arbeit vernachlässigt. Aber man darf diese Pause wohl als Übergang zu einer neuen, sicherlich intensiveren Schaffen speriode betrachten. In polnischen Kreisen beginnt man Korezak zu ignorieren, da er sich mehr und mehr dem jüdischen Nationalismus zukehrt, was seine Beliebtheit bei den «Juden natürlicherweise noch steigert. Jerzy (Georg) B r a u n ging von der Lyrik, mit der er wie die meisten Schriftsteller begonnen halte, sehr bald zur Prosa über. Ein durchaus origineller Autor, dessen Romane meistens ein eigenartiges Stoffgebiet behandeln; so zart seine Gedichte sind, in seinen Erzählungen ist er rücksichtslos, ja grausam. Seiner Neigung zum Mystizismus entspricht eine symbolische Ausdrucksweise, eine Vorliebe für expressionistische Formmittel, wenn er auch seine Themen. als strenger Wissenschaftler und Naturforscher auf exakte Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnis, die sein tiefstes Interesse erregen, basiert. Die verborgensten Kräfte der Menschenseele und der Erscheinungswelt zu entdecken, ist sein Bestreben. Es ist daher kein Wunder, daß man seiner Romane für den Film habhaft zu werden sucht, da sie wegen ihrer Mischung von. Exotik und Mystizismus, sehr gute Drehbücher abgeben. Zu den bekanntesten Romanciers in Polen zählt unbestreitbar Bruno W i n a w e r. Seine sympathische Art zu erzählen verhalt' seinen Schriften zu großen Auflagen. Mit Spannung sieht das Lesepublikum jedem neuen Buche Winawers entgegen. Seinen Erfolg hat er seinem leichten, intimen Stil zu verdanken; wenn man eines seiner Bücher liest, ist es so, als ob der Autor neben einem säße und den Leser mit freundlichen Lächeln mwl gütigen Blicken beobachtete, um sich mit ihm über die Schicksale seiner Helden zu unterhalten. Auch Winawer ist ein Kenner der Naturwissenschaften; des-