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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 496

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Juden in der polnischen Literatur
Date
1930-09-01
Page
Seite 496 (sequence 6)
Language
German
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496 MENORAH halb sind seine Naturschilderungen besonders gelungen. Neue Luit in die polnische Literatur brachte Alexander W a t. Er hatte eine leine Witterung für die modernen Strömungen, hauptsächlich für die, welche von Rußland kamen. Er war es, der 11 ja Ehrenburg, seinen russischen Bruder, für Polen entdeckte. Und das war kein bloßer Zufall: besieht ja eine Art geistiger Wahlverwandtschaft zwischen diesen beiden Rasscgenossen, die auch literarisch dasselbe wollen. Ehrenburgs unbekümmerte Urwald ursprünglichkeit riech l auch aus den Romanen W^alls. Dreist und derb ist ihre Sprache. Mit einer nonchalanten Geste warf er dem schablonenhaft abgebrauchten und dekadenten Leben seinen Handschuh hin und empört sich gegen die Realität. Sein Novellenbuch „Der arbeitslose Luzifer" erregte furchtbaren Lärm in der polnischen Literatur; denn hier lag der erste waghalsige Versuch vor, sich von der herkömmlichen psychologischen Sentimentalität und dem erblichen Bombast zu befreien. Jüdische Kritiker in der polnischen Literatur? Wer kann sich getrauen, ihre Zahl festzustellen! Mit jeder neuen literarischen Zeitschrift erstehen Legionen, sei es, daß sie verschämt ihren jüdischen Familiennamen poionisieren, sei es, daß sie es auf sich nehmen, ihn weiter zu tragen. Die meisten von ihnen bleiben im journalistischen Alltagstrotl, wie es in der polnischen Literatur überhaupt an kritisch-schöpferischen Kräften mangelt. Die bedeutendsten polnisch-jüdischen Kritiker seien hier kurz registriert: Der gottselige Professor Dr. Max B i e nstock, dessen Schriften von bleibendem wissenschaftlichen Wert sind; Emil Breiter, ein tüchtiger Rezensent; Doktor M. K n nf e r und Leon P a p i e r o w s k i, Professor Dr. Mair B a 1 a b a n. dessen Geschichte der Juden in Polen", ,,Frank und die Frankisten", „Geschichte der Juden von Krakau" zu den besten der jüdisch-polnischen wissenschaftlichen W7erken gehören. fuda VParszawiak RASSENKUNDE DES JÜDISCHEN VOLKES heißt ein in diesem Jahre erschienenes Buch des als Professor der ..sozialen Anthropologie" von dem nationalsozialistischen thüringischen Minister Frick nach Jena berufenen Rassenschril'lslellers Dr. Haus F. R. Günther. Dieser fruchtbare Herr hat schon zahlreiche Bücher über Rassefragen geschrieben: Rassenkunde des deutschen Volkes — groß und klein —, Ra.ssenkun.de Europas. Rassengeschichte des hellenischen und römischen Volkes, der nordische Gedanke, Rasse und Stil usw., fast möchte man sagen ad inlinitum. Die Rassenkunde des jüdischen Volkes war ursprünglich ein Anhang zu derjenigen des deutscheu Volkes, der etwa 70 Seiten umfaßte und nun auf 350 Seiten gedehnt wurden ist. Sehen wir zu. was dabei herausgekommen ist. Daß überhaupt Bücher über Rasse geschrieben werden können, verdankt man in letzter Linie dem bekannten schwedischen Gelehrten des 18. Jahrhunderts Karl Linne, der eine noch heule benutzte Systematik der Pflanzenwelt erdachte. Nachdem er darüber zahlreiche Werke verfaßt und auch die Tierwelt unter Dach und Fach gebracht hatte, ging er daran, das Menschengeschlecht zu systematisieren. Der deutsche Medizinprofessor Blumenbach folgte ihm auf dieser Bahn und teilte die Menschheit in die noch heute als geltend angesehenen Gruppen der kaukasischen (weißen), äthiopischen (schwarzen), mongolischen (gelben), amerikanischen (roten) und malaiischen Rasse ein. Soweit wäre gegen diese Systematik nichts einzuwenden, obwohl die Grenzen der einzelnen Menschenrassen gegen einander fließend sind. Bei manchem Volk in Nordafrika zum Beispiel weiß man off nicht, ob man es noch zu den Hainiten, einer Unterabteilung der weißen Rasse, oder schon zu den Negern rechnen soll. Aber man ging noch weiter. Man versuchte, die weiße Rasse nach der Form des Schädels, ob lang, rund oder

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