Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 482 (sequence 8)
- Language
- German
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482 M E N O R A Ii Im Dezember 1892 wurde die erste Schule in Alice eröffnet. Sie brachten die Kinder zu Pferd in die Schule. (Wir Manner waren damals noch so beschäftigt, daß wir an die Erziehung der Kinder gar nicht denken konnten.) Als die Frauen gewahr wurden, daß Salonion Koben, der erste Lehrer, seine Pllicht vernachlässigte, waren sie es, die dagegen Protest erhoben, und sie wandten sich in dieser Angelegenheit direkt im Goldsmith. Sie verlangten, daß auch für die älteren, zwölfjährigen Knaben, die, wie sie sich ausdrückten, ..schon vor den Pflug gespannt waren", Sorge getragen werde. Sie forderten, daß Abendschulen und Bibliotheken errichtet werden, damit sie nicht unwissend blieben. Acht Frauen zu Pferde umringten mich eines Tages mitten im Felde während der Arbeit und forderten mich auf, bei der Verbreitung von Literatur und der Schaffung einer Bibliothek mitzuhelfen, damit sie an den Sabbathtagen und in den Winternächten Lektüre haben. Ich hatte damals im liameliz*) einen Aufsatz veröffentlicht, in dem ich unter anderem schrieb: „Wir entbehren der Lehre, wir sind ohne Buch, wir werden in Argentinien verwildern, wenn es so weiter geht." Unsere Brüder jenseits des Meeres kamen uns sogleich zu Hilfe. Viele Autoren schickten uns ihre Werke ein. Mit zahlreichen Büchern beschenkte uns als erster Dr. Eisenstadt, unter diesen befanden sich auch viele Exemplare seines Buches „Juden und Judentum4', das viele Kolonisten beinahe auswendig lernten. Dr. Katzenelsohn schickte uns sein Werk „Bemach Ewarim" und Salomo Buber seinen „Midrasch Tranchumah". Es kamen auch viele jiddische Bücher. Der berühmte und große Jude Kaiman Wysocki schickte zwei Kisten Bücher, aber an die Adresse der „Ica \ und die wohltätigen Beamten schienen uns diese Fülle von Literatur nicht gegönnt zu haben, denn sie ließen sie unbehoben im Zollamt liegen. Rabbiner Zuckermann aus Kiew sandte uns eine Thorarolle. Ich hatte diese Bücher in meinem Schuppen in Petroleumkisten aufbewahrt, und jeden Freitag nachmittag mußte ich meinen Pflug verlassen, um als Bibliothekar zu fungieren! Wie wunderbar und angenehm war dann der Sabbath! Damals wurde der Ruhetag noch strenge eingehalten, und ganze Gruppen pflegten sich zu Fuß ins Feld hinauszubegeben, um das Vieh zu weiden. Alles setzte sich ins Gras, in der Nähe des Weideplatzes, und einer begann vorzulesen. Wenn das Vieh abgetrieben werden mußte, damit es *) Hebr. Tageszeitung.