Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 481 (sequence 7)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 481 gütigsten Kälte, stand sie im „Kral" an der Seite ihres Mannes und halt ihm, die Ochsen einzuspannen. Und nachdem sie ihrem Manne den Pilug hergerichtet hatte, saß sie bereits im Sattel und raste pfeilgeschwind nach Alice oder Algorobo, um Fleisch aus der Fleischbank zu holen. Aul diese Weise wurden viele von ihnen tüchtige und Hinke Heilerinnen: ganze Eskadronen solcher Amazonen pflegten die Wege zu bevölkern und Lebensmittel aus dem monopolisierten Kaufhaus zu bringen. Pessje Resnik und Malke Dinez nahmen es mit den geschicktesten jungen Reilern auf und gingen immer als Siegerinnen im Wettreiten hervor. Viele Frauen und Mädchen gingen hinter dem Pfluge einher, ackerten und dengelten zugleich mit den Männern. Sureh Niemitschinitzer und Chane Chaje Weingast mähten die erste Frnle mit der Sichel ab: vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein brachten sie den Weizen ein. Dwojre Chess, eine große, kräftige, dunkelbraune Frau, nahm den Sälaken um den Hals und säte den Mais, ihr Mann Schloime, ein etwas ungeschickter Mensch, ging voran, um ihr die Linie zu zeigen, und sie rief ihm immer wieder zu: ..Schloime. dahier. dahier! Du hast eine Reihe ausgelassen, es wird eine Clalze entstehen . . .*; Das Herz schlug einem vor Freude, wenn man sah, wie die städtischen jüdischen Töchter, die gewohnt waren, in Samt und Seide gekleidet, in Handschuhen und Hüten einhcrzugehen, nun Oxford- und Zitzkleider trugen, im Felde standen und wie die Männer arbeiteten! Die jüdische Frau zeigte ihre Treue und Ergebenheit, zu einem ehrsamen Familienleben und zu dem ehrlichen Beruf der Landwirtschaft! Nicht in der Schenke, im Laden oder am Marktplatz, unter Greißlern, Händlern und Käufern ist der Platz der jüdischen Frau, sondern im Felde, im Garten, in der Landwirtschaft! Nur dort kann sie ihrer Würde walten. Im Felde und im Garten, zwischen Bäumen und Blumen, aus denen die weißgetünchte Stube mit dem gescheuerten Hof hervorblickt, wo zahlreiches, verschiedenartiges Geflügel die Luft mit Piepsen und Gackern erfüllt — dort in jenem Tempel des Friedens findet ihre Bestimmung die tapfere Frau, die des Mannes Krone und ihrer Kinder Zierde ist! Und so waren sie alle diese Frauen der Kolonisten von Mauricio. Nicht nur in der Landwirtschaft halten sie die höchste Stufe erklommen; auch in der kulturellen Entwicklung, bei der Verbreitung von Wissen und Bildung waren die Kolonistinnen die ersten Initiatorinnen und Mitarbeiterinnen.