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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 480

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1930-09-01
Page
Seite 480 (sequence 6)
Language
German
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480 MENORAH .,Warum weinen Sie? Was ist Urnen zugestoßen?" fragte ich. Die junge Frau schien anfangs nicht gewillt, zu antworten. Aus Schani wechselte sie atle Farben. Schließlich begann sie, unter einem Strom von Tränen, zu erzählen: Sie litte schon seit einiger Zeit an einer Erkältung der Brust und begab sich daher zum Arzt. Unterwegs habe sie den Verwalter getroffen, der sagte zu ihr: ,,Suchen Sie den Arzt? Kommen Sie, er ist hier im Zimmer." Als sie eintrat, habe er die Tür hinter sich geschlossen und sich an sie mit den Worten gewendet: „Lassen Sie mal Ihre Brust sehen, ich werde Ihr Arzt sein, ich werde Sie auf kunstvolle Weise kurieren . . Es seien noch eine Reihe unzüchtiger Ausdrücke gefolgt, die von Vergewaltigungsversuchen begleitet waren. Sie habe zu schreien begonnen, und es sei ihr geglückt, sich seinen Händen zu entreißen. Beispiele dieser Art gab es genug, aber sie vermochten nicht, unser Familienleben zu entweihen. Das alles mußten wir geduldig über uns ergehen lassen. Wir trotzten jeder Unbill, denn die Hoffnung auf die Zukunft lockte mit ihren Versprechungen. ,,Wir werden alle diese Herren überwinden, selbst den Uolonel mit seinen goldenen Epauletten werden wir überleben!" So sagten wir uns. Wir arbeiteten emsig weiter, selbst die Kinder und Frauen stau den uns niemals nach. X2CXIV. Unsere Frauen nistrahlt von goldenem Licht sehe ich jene mutigen und stolzen Frauen der Kolonisten. W7eder der harte Terror jener fluchbeladenen Zeit noch die erniedrigende, schmutzige Unterstützung, noch die zynischen Bürokraten halten es vermocht, sie mutlos und verzweifelt zu machen. Schulter an Schulter mit ihren Männern kämpften sie heldenmütig und spotteten der Not. Mit ihrer fraulichen Anmut schmückten sie die goldene llolfnung. In ihrer Phantasie malten sich die schönsten Zukunftsbilder, die sich dann auf die Männer fortpflanzten, im festen Glauben an eine reiche, freie, glückliche Zukunft in der neuen Heimat. Sobald die Wände des Häuschens mit Lehm getüncht waren und die Frau ihre Küchlein unter einem schützenden Dach wußte, zwischen sicheren W7änden, opferte sie sich dann der Landwirtschaft mit Leib und Seele. Unter den schneidenden Winden der Pampa, mitten in der

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