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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 477

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1930-09-01
Page
Seite 477 (sequence 3)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 477 In einem leichten Wagen, dem ein feuriges samtschwarzes Roß vorgespannt ist, kommt der Arzt Uesar Rodes angefahren. Schnell wie der Blitz hatte er die zwölf Meilen lange Strecke durchras!. Die Beamten der Administration, stehen da und streicheln den dampfenden Rappen, tätscheln ihm die Flanken, streicheln ihm die Mahne, sehen ihm in die Zähne, geben ihr Gutachten ah und lohen ihn in den Himmel hinein. Der Arzt unterhält sich mit ihnen und ist voll Freude. Um die Kranken kümmert er sich gar nicht! Er wäscht sich, nimmt zusammen mit dem Administrator den Kaffee ein und macht der jungen Französin einige Komplimente. Erst gegen elf Uhr geruht er, zu erscheinen, oft vom Administrator begleitet, geht die langen Reihen der Kranken ab. ordnet an. daß die Leute mit den gebrochenen Gliedern ins Spital nach Buenos Aires überführt werden, verschreibt den anderen ein wenig Magnesium, Soda bicarbonado, sagt den jungen Frauen einige schlüpfrige Phrasen und begibt sich dann zum Dinner. So sitzen die Kranken bis zwei Uhr! Sobald der Arzt etwas benebelt vom Mittagsmahl zurückkehrt, setzt er sich auf einen Stuhl und behandelt unsere Kranken mit dem größten Zynismus. ..Ile, junger Mann!"' sagt er zu dem Burschen, dem sogenannten Apotheker, der die paar Fläsehchen und Medikamente verwaltet. ..du weißt es ja schon selbst! Den Halskranken Salz, den Verwundeten Jodtinktur!" Um drei Uhr erscheint der Administrator, man lacht, unterhält sich und trinkt .,Mate'\ das bekannte Nationalgetränk, das ihnen eine Magd reicht. Und so wird in aller Seelenruhe beschlossen, daß die Kolonisten sich nur deshalb krank meldeten, weil ihnen unentgeltliche ärztliche Behandlung zur Verfügung stünde. Müßten sie für jede ärztlich Visite und für Medikamente zahlen, würde keiner erkranken. Um vier Uhr steht der Rappe bereits gebadet und gekämmt im Gespann, und der Arzt fährt nach Hause. Es wurde daher ein Protokoll abgefaßt, und Uesar Bodes bestätigte es, daß sich die Kolonisten aus purem Mutwillen krank meldeten und sich kurieren ließen, da die Heilnngskosten auf Rechnung des Barons gingen. ..Sehr wenige sind wirklich krank!" hiett es in dem famosen Protokoll, das, mit dem schwarzen Administrationssiegel versehen, an die Direktionskanzlei nach Buenos Aires geschickt wurde. Ungesäumt traf vom Colonel der Auftrag ein. jeder Kranke müsse für jedes Medikament 50 bis 80 cenl bezahlen, welcher Betrag ihm von der monatlichen Unterstützung in Abzug zu bringen sei.

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