Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 476 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2912821-2912900-2912906-2925723--09514-2925871- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MENORAH nach unserer Ankunft übernachten mußten, wurden jetzt die Kranken untergebracht! Mit Wänden aus Lehm und einem Strohdach, stand das berühmte ..Hotel Schwein'* auf einem Hügel, gegenüber dem Friedhof, als ein Nachlaß der Schweine des ehemaligen Gutsbesitzers Remelo Franco! Diesen Stall ließ der Lolonel sozusagen herrichten. Auf das Strohdach wurde Blech gelegt, die Wände wurden getüncht; von den zwei kleinen Räumen, die zur Front gingen, wurde der eine als Ordinationszimmer benützt, während der andere wegen der paar Fläschehen, die sich dort befanden, die Apotheke benannt wurde. Hinter diesen beiden Räumen lag ein schmales Zimmerchen mit zwei kleinen Luken, die den Ausblick auf den Friedhof hatten. Dort wurden zwei Pritschen aufgestellt, und das nannte sich das ,.Spital". Als ob einer sagte: „Hier, ihr lieben Leute, könnt ihr krank sein so viel ihr wollt, und durch die Luken könnt ihr geradeaus ins Jenseits hinübergucken . . .** Da konnte man wohl zufrieden sein. Dieses Spital, in dem sich nur noch einige Medikamenlcnflüschchen belinden, steht noch heute auf demselben Fleck. Ein besseres konnten wir uns noch bis zur Stunde nicht leisten, aber jetzt tummeln sich dort allerhand Ratten und Mäuse herum. Die Ordnung war folgende: es gab zwei Ordinationstage in der Woche — am Montag und Donnerstag. Hunderte von Kranken gingen oder fuhren nach Algorobo und ließen sich zu beiden Seilen des Weges, der von der Administration zum Spital führt, am Boden nieder. Dort saßen sie und warteten auf den Arzt, der aus Pehuacho kommen sollte. Noch jetzt habe ich jene bemitleidenswerten Kranken vor Augen, ein wahres Höllenbild, das nur ein Dante schildern könnte. Da liegt der hübsche, achtzehnjährige Simson Meinion. der vom Pferde stürzte und sich ein Bein brach. Er stöhnt und ächzt, daß einein das Herz bricht. Sein Vater, Moische Chune aus Skala - nachmals Reverend, Yorbeler und Beschueider in New York, steht an seiner Seite, legt ihm kalle Kompressen und zerlließt in Tränen. Etwas weiter liegt Leib Jules mit einem Rippenbruch, dann unser aller Bekannter Israel Lissin. der über eine eiserne Heugabel stürzte und sich an ihr verwundete. Danach junge Frauen mit verbundenen, kranken Brüsten: Mütter mit erkrankten Kindern, mit Ohiilüssen, Halsschmerzen, eitrigen Wunden und allen möglichen Krankheiten. All diese Bedauernswerten kauern im Grase und warten auf ärztliche Hilfe. Ach, wie schwer ist es. all das zu vergessen!