Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 478 (sequence 4)
- Language
- German
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478 MENORAH Die Peiniger triumphierten, sie hatten dem Colonel bewiesen, daß ihre Meinung die richtige war; seitdem die Bezahlung der Medikamente eingeführt wurde, halle sicli die Zahl der Kolonisten, die ärztliche Hille in Anspruch nahmen, verringert. Dieser r e i c Ii e Goldsmith wußte es wahrscheinlich nicht, daß der a r m e Vater, der die 80 cent für die Ernährung seiner Kinder benötigt, eher Schmerzen leiden würde, als seiner Familie den letzten Hissen wegzunehmen! Aus diesem Grunde sind neunzig Prozent der ersten Kolonisten bis auf den heutigen Tag kranke Menschen geblieben, sie leiden an Kheunia, sind gehrochen von zu schwerer Arbeit, von einem Leben voll Not und Plage während der „Subsidienepoche", vom Herumlungern in den Zelten und Blechbaracken— das alles halte die Gesundheit der ersten Pioniere untergraben. Einen großen Teil ihrer Kräfte raubte ihnen das Bauen der Häuser. Nachdem der Bauunternehmer die Häuserskelelte aufgeführt hatte, mußten wir selbst den Lehm kneten, um mit ihm die Wände auszufüllen. Unsere Frauen und Kinder hatten barfuß, während der größten Kälte, wie bei Pharao, den Lehm geknetet. Im Juli und August, gerade am Höhepunkt unseres Winters, lagen wir bis an den Hals im Morast; und so bauten wir uns unsere Häuser. Was Wunder, wenn man sich unter solchen Umständen allerlei Krankheiten zuzog und oft ärztlicher Hilfe bedurfte? Aber die Philanthropen wollten das nicht begreifen. i\ ach vierzigtägiger mühsamer Arbeit, nachdem unsere Füße vom Kneten des Lehms schon geschwollen waren, stand unsere, mit Stroh gedeckte Hütte endlich fertig da. Das war zu Sabbalh-Selichoth des Jahres 1893. Ich erinnere mich jetzt mit Tränen in den Augen jenes Augenblicks, da wir unsere ärmlichen Lagerstätten aus dem alten Unterstand in die neue Stube brachten, und wie meine Frau die Augen begeistert gegen die Zimmerdecke richtete und sprach: ,,() Gott, ich danke dir! Nun schlafen wir bereits unter einem Dach mit Wänden!" Wenn ich jetzt an jene Jahre zurückdenke und mich aller Pein erinnere, die wir erdulden mußten, so ist es mir rätselhaft, wo wir damals die Kraft, Ausdauer und Energie hernahmen, um dieses schwere Joch zu ertragen, das der englische Jude uns auferlegt hatte. Er hat uns buchstäblich als Leibeigene des Barons betrachtet. JCXXIII. Kurzsichtigkeit und Unverschämtheit