Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1930-09-01
- Page
- 475 (sequence 1)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! (Erinnerungen eines jüdischen Kolonisten in Argentinien) Von M. Alperson Aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt von J. S. t<). Fortsetzung1* 2C2C2CII. Ein Arzt und ein Sßital Auch an der Schwelle menschlichen Jammers und Leids, im Spital, hielten uns die Beamten der Wohltätigkeit und der Philanthropie zum heslen: sie spotlelen unserer Schmerzen, schütteten Salz auf unsere Wunden und rissen Witze üher unsere Slerhenden . . . Jene Bilder wollen nicht von nieinen Augen weichen. Immer wieder erscheinen sie vor mir und heischen Antwort auf die Frage: war denn der edle Golonel wirklich so blind, daß er all das gar nicht sah? Warum suchte er es nicht zu verhindern und warum traf er keine Maßnahmen? Wie konnte er in die Hände eines solchen (iesindels. das nichts anderes wußte, als die Finwanderer zu peinigen, eine so unbeschränkte Macht legen? Wie kommt es, daß er, der für alles eine so oll'ene und reiche Hand hatte, gerade die Kolonisten so knapp hielt? Man höre und staune! Für alles mußte das Vermögen des Barons herhalten! Fin Polizeigebäude wurde aufgeführt, ein großes, geräumiges Haus, damit die Polizisten angenehme Quartiere haben! Und ein Gefängnis mit vielen Kasematten, Zellen mit vergitterten Fenstern, guten, sicheren Schlössern und bequemen Wohnungen für die Wärter, alles aus Zement und Ziegeln, festen Türen und Fenstern; ein Verwaltungsgebäude, hoch und lang wie das jüdische Fxil. mit zahllosen, großen und weiten Räumen. Seihst für die blonde Französin, die Maitresse des Ingenieurs, die mit ihrem zügellosen Gelächter den ganzen Hof zu betäuben pflegte, wurden zwei Zimmer gebaut. Die beiden riesigen Stallungen für die Pferde und Wagen der Administration hatten wir mit eigenen Händen errichtet. ,,Pithom und Ramses" nannten wir sie. Für alles mögliche war seine Hand weit geölfnet. nur für uns Kolonisten war sie wie mit sieben Siegeln verschlossen! Die Bitte um die Frrichlung eines Bades hatte uns Goldsmith abgeschlagen, obwohl sogar die Sträflinge in Sibirien eines hatten. Die Administration habe kein Geld, meinte er, um sich solchen Luxus zu leisten! Vielleicht betrachtete er ein Tauchbad als religiösen Fanatismus! Was weiß ich? Aber ein Spital? C). du mein Gott! Fs ist eine Schande, es zu erzählen, welchen Ort er für eine so wichtige Institution gewählt halte. In dem bereits erwähnten Schweinestall, wo wir