Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Josef Achron
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 462 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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462 MENORAH alte ii ,,T r o p p" d e n I m p u 1 s z u s e i n e m M e 1 o s, z u m G ehalt seiner Musik. Seine Einstellung zur jüdischen Musik ist heute klar und zwingend genug, um zu einer einheitlichen Ausdrucksweise, zu einer ..persönlichen Note" zu gelangen. Bei aller satztechnischen Meisterschaft, dem organischen Formen und der kontrapunktisch-rhyIhmischen Mannigfaltigkeit, die fast alle seine Werke auszeichnen, lieht sich die leichte Faßbarkeit und Einprügsamkeit seiner Melodik bemerkenswert hervor. Achrons spezifisch jüdischer Impuls wirkt sich in der melodischen Entfaltung der Themen ganz besonders aus. Diese sinngebenden Intervalle, ihre Wendungen im Ausdruck wie im weiten melodischen Bogen — hier linden wir das wesentlich Eigene, das keinem slawischen, keinem orientalischen, einzig dem jüdischen Geist, dem jüdischen Empfinden entstammt. Ist die Melodik die Grundlage, so dient das Akkordgewebe zur Steigerung des Klangsinnlichen, zur Intensivierung des .-Vusdruckes. Ohne die Tonalitütszugehörigkeit einzelner Perioden ganz aufzugehen, weisen die späteren Werke eine immer freiere Handhabung des Harmonischen und gewisse Tonarlausweichungen auf. wodurch e r eine reichere Klangwirkung zu erzielen sucht. Von den Gesängen sind hervorzuheben: ..Zu Dir führt mein Wandern"; trelfend in der melodischen Erfindung, zerstören die längeren Überleitungen des Klavierpartes teilweise die Intention des Gedichtes: ,.Ganzonethr\ dieses sinnfällige Lied von wunderbarer Eingebung hübsch auch die getragene4 Gegenstimme im Baß der Regleitung - - nimmt durch seine Schlichtheit sehr stark für sich ein und löst überall größten Beifall aus: ..Der Letzte" für eine Männerstimme und Orchester op. 54: in breiter balladenähnlicher Art, musikalisch zwischen Singstimme und Orchester, in gegeneinander gut kontrastierenden Themengruppen angelegt, weist dieses Werk zum ersten Mal, man möchte sagen eine1 typisch ..jüdische Passage" auf: ,.Mohne'", für hohe Stimme und Orchester op. 55: in der Linienführung der Singstimme dem obigen Liede am nächsten liegend, aber konzentrierter in der Form. Die Orchesterbegieitimg ist hier wesentlicher Bestandteil des Liedes. Die beiden letzten Werke, gesangstechnisch ziemlich anspruchsvoll, dürften im Konzertsaal zweifellos eine sehr starke Wirkung erzielen. Bedingungslose Anerkennung findet überall die .,Kindersuite** op. 57 für Sextett (Streichquartett. Klarinette und Klavier). Dieses wohlgelungene, an Einfällen reichhaltige Werk ist der wahrhafteste Ausdruck jüdischen Wesens. Klarheil der Faktur, Natürlich