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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 460

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Josef Achron
Date
1930-09-01
Page
Seite 460 (sequence 3)
Language
German
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460 MENORAH künstlerische Entfaltung, die aufwärtsführende Linie derselben abzulesen ist. An der Violine entwickelt sich zunächst die ungewöhnliche musikalische Begabung, um vom solistischen immer mehr zum produktiven Schallen umzubiegen. In jedem lnstrumentalisten entsteht frühzeitig ein Streit der Kräfte: zwischen dem reinen Spieltrieb des Virtuosen und der großen Sehnsucht des Schallenden mich produktiver Tätigkeit. Bei Achron tritt dieses Ineinandergreifen der beiden Faktoren besonders prägnant hervor. Daß bei ihm das Konzertieren allmählich in den Hintergrund gerät und der schöpferische Trieb die Oberhand gewinnt, ist bezeichnend für seine hohe künstlerische Persönlichkeit. Dem lauten Erfolg des Virtuosentums entsagend, lebt er heute nur noch den klanglichen Visionen seiner inneren Emplindungswelt, im Glauben an seine Musik. JT rühzeitig drängte es Achron zum Komponieren. Eine angeborene intuitive Fähigkeit ermöglichte ihm, schon in frühester Jugend in der Klangsprache sich auszudrücken, eine entsprechende Form zu linden. Die erste Komposition notierte er mit sieben Jahren. Zunächst schrieb er hauptsächlich für Violine und Klavier. Das Verzeichnis seiner Werke weist aus dieser jugendlichen Periode kleinere Stücke aus den Jahren 1893--1897, zwei Konzerte (1899—1903). einige Suiten (1906 bis 1907) und viele Lieder (1907 -1908) auf. Nunmehr setzt das intensive Studium der Komposition ein, dessen Frucht die erste Violinsonate (1910) ist. Alles formale und technische Rüstzeug handhabt er bereits mit größter Sicherheit und so gefestigt wendet er sich mit frischer Jugendlichkeit dem Komponieren zu. Und gerade zu diesem Zeitpunkt tritt der bedeutungsvollste Moment für seine weitere Entwicklung ein, der ihn zu seinem ureigensten Schallensgebiet hinführt, zur jüdische n M u s i k. deren reinster Exponent er später werden soll und die ihm seine Stellung, auch außerhalb derselben, zuweist. Die erste Berührung mit der jüdischen Musik geht auf das Jahr 1904 zurück, als er eine Jüdische Variation4' auf die russische ,.Kamarinskaja'4 schrieb. Als dann in Petersburg die Gesellschaft für jüdische Volksmusik gegründet wurde, trat er ihr bei und schrieb aus diesem Anlaß die inzwischen berühmt gewordene ,,Hebräische Melodie'* (1911). Die für dieses Stück benützte Melodie hörte er in einer Warschauer Synagoge von einem Chassid. Von nun an setzt ein zielbewußtes Eintreten für die Pllege der jüdischen Musik ein, dokumentiert sich der leidenschaftliche Wille, eine jüdische Musik zu schaffen. An den Arbeiten dieses Musikers enthüllt sich uns der natürliche Ent-

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