Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Eine Geschichtslüge
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 455 (sequence 12)
- Language
- German
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EINE GESCHICHTSLÜGE 455 Zug zur Hinrichtung des .lud Süß in Stuttgart Kupfer von G. Thclet, Kupfcrstichkabinctl Donaurschingni der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Hier und auf dem Hohenasperg soll dem Volksglauben nach — Symbol des bösen Volksgewissens — der Geist des Juden Süß um gegangen sein. Die Verurteilung und Hinrichtung des Joseph Süß Oppenheimer war ein politischer Mord. Süß selbst hat den Spruch, der über ihn gelallt wurde, am besten charakterisiert: als ihm das Todesurteil mitgeteilt wurde, rief er: „Mir geschieht Gewalt und Unrecht... Ich m u ß u m d e s P r i v a t i n t e r e s s e s e i n i g e r V a m i 1 i e n e i n S c h 1 a c h t o p f e r f ü r g a n z W ü r t t e m b e r g w e r d e n." So war es auch tatsächlich: Das von zwei Herzögen bis zur Raserei gepeinigte und ausgeplünderte Volk von Württemberg, das schon damals mit Revolution drohte, mußte auf ein Opfer gelenkt werden; die landeingesessenen Beamten, welche die Plünderung gern besorgten und verscharrten, da sie dabei das meiste in ihre eigene Tasche steckten, waren durch ihre guten Beziehungen geschützt (den drei verhafteten Räten Carl Alexanders wurde auch wirklich kein Haar gekrümmt): der fremde Jude war das bequemste Opfer, und wenn man es nur mit dem nötigen Gepränge schlachtete, vergaß das Volk die wahren Schuldigen und die Position der Regierenden war wieder gesichert. Dieser Effekt wurde denn auch voll und ganz erreicht. Dazu