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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 454

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Eine Geschichtslüge
Date
1930-09-01
Page
Seite 454 (sequence 11)
Language
German
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454 MENORAH geblich bestand er auf ein öffentliches Gerichtsverfahren, vorgeblich berief er sich auf das Generalabsolutorium des Herzogs und erklärte sich bereit, alles zu ersetzen, was er durch seine ,,Tätigkeit am Gratiaiii nd Fiscalamt irgend an Schaden zugefügt" habe, vergeblich verlangte er einen nichtwürUembergischen Verleidiger (der ex officio zu Süß* Verteidiger bestellte Tübinger Jurist Michael Andreas Mögling, der für seinen Klienten weiß Gott wenig Sympathie aufbrachte, ließ später seine Verteidigungsschrift für Oppenheimer in Druck erscheinen; sie enthielt jedoch so viele den Macht habern unbequeme Tatsachen, daß sie — v er ho l e n wurde). Am 13. Dezember 1737 wurde der Angeklagete mit allen gegen eine einzige Stimme (des Tübinger Hechlslehrers Harppreeht. der das Votum nbgab, ..auf Grund der bestell e n d e n G e s e t z e d es Deutsch e n R e i c h e s u n d d e s L a n d e s W ü r l l e m her g k (") n n e m a n d e n A n g c klagten z u in T o d e n i c 3i t v e r urteil e n") zum Tode durch den Strang verurteilt. Der Regent von Württemberg, Prinz Carl Rudolph, unterschrieb nach langem Zögern, sechs Wochen später, offenkundig unter Druck, das Todesurteil und tat dabei den bezeichnenden Ausspruch: ..Das ist ein seltenes Ereigniß, daß e i n «I u d f ü r Christ e n s c h e 1m e n die Z e c h e b e z a h 1t." Am 30. Jänner 1738 wurde Oppenheimer unter dem Johlen der Menge nach Stuttgart gebracht und dort erst erfuhr er am folgenden Morgen, daß er des Todes schuldig sei und vier Tage später hingerichtet werden solle: daß seine alte, aber immer noch schöne Mutter nach Stuttgart gekommen war. verschwieg man ihm und erlaubte der verzweifelten Frau auch nicht, den Sohn noch einmal zu sehen. Die Hinrichtung wurde bestialisch vollzogen (Süß wurde erwürgt und gehenkt) und die Stadt Stuttgart ließ es sich 2000 Gulden kosten, um dem Volke den gehängten .,Erzschelmen" in einem eigens zu diesem Zwecke angefertigten und oben an dem zirka!2() Meter hohen eisernen Galgen angebrachten Vogelkäfig zur Schau zu stellen, der auf einer Tafel den Spruch trug: „Schitut, aus diesem Vogelhaus Sieht Jud Süß, der Schelm, hinaus." Das Lösegeld, das die .Juden für Freigabe des Leichnams boten, wurde abgelehnt. Erst nach sechs Jahren wurde der tote Süß aus seinem Käfig geholt und am Fuße des Galgens verscharrt. Sein Maus in Stuttgart, das er seit 1736 bewohnt und in dem es so viele Liebesalfären und prunkvolle Feste gegeben hatte, wurde später Katharinenslift und diente als Mädchenerziehungsinstitut: erst vor kurzem ist es

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