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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 453

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Eine Geschichtslüge
Date
1930-09-01
Page
Seite 453 (sequence 10)
Language
German
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EINE GESCHICHTSLÜGE 453 Beseitigung des Herzogs gehörte). Drei Räte des Herzogs wurden in Haft genommen und auch ein Scheinverfahren gegen sie geführt; ein richtiger Ii o c h v e r r a t s p r o z e ß wegen ..Verbrechens gegen den Staat" wurde jedoch n u r g e g e n d e n A u s 1 ä n d e r J o s e p h Süß Oppenheimer eingeleitet. Ende Mai 1737 wurde Süß nach der berüchtigten „FürslengruH" Hohenasperg überführt, in der später auch Wilhelm Schuhart gelangen saß; vorher war sein Vermögen beschlagnahml worden. Die Anklage lautete auf Hochverrat, Majestüts heleidigung, Betrug, Amtserschleichung, Münzverfülschung, Simonie (= Aniterhandel) und ,,außerehelichen Geschlechtsverkehr mit Personen christlichen Glaubens'". Auf den letzten Punkt der Anklage scheint die Untersuchung besonderen Wert gelegt zu haben; die Richter konnten sich nicht genug daran tun, die schmutzigsten Schlafzimmergeheimnisse lüstern zu durchstöbern; der Jude Süß dagegenübte die Diskretion eines Gentleman und vollendeten Kavaliers. Seine Beziehungen zu Frauen -- er war unverheiratet und lebte in wilder Ehe mit Henriette Lucia na Fischer, der Tochter eines Beamten, die während seiner Haft einem Knaben das Leben schenkte — waren sehr zahlreich. Dazu trug nicht nur seine Stellung, sondern auch seine äußere Erscheinung viel bei, die nach den übereinstimmenden Schilderungen und den erhaltenen Porträts geradezu faszinierend genannt werden kann. Oppenheimer glich, wie ein Zeitgenosse schreibt, eher einem Reichsgrafen als einem Juden: und ein sonst Süß sehr feindlicher Biograph versichert: „Wer es nicht anders gewußt, halte ihn für einen Christen und g eb o r e n e n H o f m a n n gehalten." Dazu kam vollendete Eleganz und das Talent, mit Grazie und Geist freigebig zu sein. Wras Wunder, daß ein Mann mit so viel persönlichen Vorzügen und so großem Einfluß Beziehungen zum weiblichen Geschlecht bis in die höchsten Kreise besaß. Auf diese Frauengeschichten stürzte sich nun die Anklage, weil dadurch die einzige Möglichkeit bestand, über Süß die Todesstrafe zu verllängen; damals bestand nämlich noch das Gesetz, das den .fleischlichen Verkehr von Juden mit Christen" mit dem Tode bestrafte, wenn es auch nicht mehr in Anwendung kam. Für die anderen Punkte der Anklage gab es keine ausreichenden Beweise, die sie zu todeswürdigen Verbrechen hätten stempeln können, ja noch mehr — das Gutachten über Oppenheimers Tätigkeit in der Münze (auf Münzverfälschung stand Todesstrafe) erwies die völlige H a 1 t 1 o s i g k e i t d e r A n k 1 a g e. Aber vergeblich forderte Süß unter gerechter Berufung daraufdaß er kein Landeskind war, eine kaiserliche Gerichtskommission. ver-

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