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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 452

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Eine Geschichtslüge
Date
1930-09-01
Page
Seite 452 (sequence 9)
Language
German
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452 MENORAH chilier sein* vorsichtig, unterzeichnete nie ein amtliches Schriftstück, nahm an keiner offiziellen Sitzung teil, beschränkte sich stets darauf, lediglich die Befehle des Herzogs auszuführen, und war in allen Geschäften, die das öffentliche Wohl betrafen (Führung der Münze, des Landeskreditinstitutes usw.), geradezu ü b e r t r i e b e n r e e 11; und doch bewahrte ihn keine Vorsicht vor seinem Schicksal. Inzwischen bereitete Carl Alexander seinen Staatsstreich vor, zog die eigenen Truppen zusammen, sicherte sich die Hilfe fremden, vornehmlich kurbayrischen Militärs und entsandte Süß, vermutlich mit wichtigen Aufträgen, zu seinem politischen Ratgeber, dem Fürstbischof von Würzburg. Zu dieser Zeit wollte Oppenheinier die Dienste des Herzogs verlassen, offenbar weil er erkannte, daß er nur W e r k z e u g war und im Falle des Mißlingens der herzoglichen Pläne der Siindenbock sein, im Falle des Gelingens, das unbedingt irgend eine Form der Militärdiktatur bringen mußte, beiseite geschoben würde; in dieser Überzeugung wurde er um so mehr bestärkt, als General Remchingen, der die Staatsstreichvorbereitungen des Herzogs leitete, den ..jüdischen Schwindler'', wie er Süß nannte, grimmig haßte. Carl Alexander lehnte jedoch das A b s c h i e d s g e s u c h seines Finanzrates ab und gab, trotz einer vorhergegangenen Verstimmung, dem Joseph Süß durch das Dekret vom 12. Februar 1737 einen Beweis von Gnade, der alle früheren Glinstbezeugungen in den Schatten stellte: Durch dieses Dekret erhielt Oppenheinier ein A 1) s o 1 u t o r i u m, das ihn gegen alle künftigen Anfeindungen oder Verfolgungen schützen sollte; er durfte — so heißt es in dem Schriftstück — ,.jetzo und fürohin seiner uns zu unserem völligen gnädigsten Vergnügen geleisteter imterthüniger Dienste überhaupt und ohne Ausnahme zu eigener Verantwortung nicht gezogen werden . . .'; Aber es kam ganz anders: Am 12. März 1737, einen Tag. bevor er seinen Staatsstreich durchführen wollte, starb der Herzog plötzlich, und zwar, wie heute mit ziemlicher Sicherheit festgestellt ist. durch Gift. Noch in derselben Nacht wurde Oppenheimer in Stuttgart verhaltet und zunächst in seinem Hause in der Seestraße unter mililärsicher Bedeckung gehalten. Nach einein mißlungenen Fluchtversuch, den er mit heimlicher Unterstützung seines Todfeindes Remchingen, (der für seinen Kopf fürchtete und daher den vielwissenden Mann außer Landes haben wollte) unternommen hatte, wurde der Häftling nach der Festung Hohenneu(Ten gebracht. Die Stände Württembergs hatten von dem beabsichtigten Staatsstreich des Herzogs Carl Alexander Kenntnis erhalten und heimlich eine G e g e n b e w e g u n g eingeleitet (zu der in erster Linie die

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