Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Eine Geschichtslüge
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 445 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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EINE GESCHICHTSLÜGE 445 kaiserlichen Generals Georg Eberhard von HeidersdorlT, Kommandanten von Heidelberg — es hat auch in den Prozeßakten Niederschlag gefunden — ist wohl eine Fabel, entweder von seinen Feinden ausgestreut oder aus „gesellschaftlichen4' Gründen von Süß selbst genährt. Glaubwürdig bezeugt aber ist, daß Süß' Mutter, eine Enkelin des berühmten Vorbeters Rabbi Salomo („Salmele" genannt) in der Judengemeinde Frankfurt am Main, von außerordentlicher Schönheit war, sich jedoch nicht des besten Rufes erfreute. Süß' Vater gehörte der weitverzweigten Familie Oppenheimer an, deren bekannteste Linie die Wiener Oppenheimer, Armeelieferanten und Hofbankiers des Kaisers Leopold, waren. Er selbst bezeichnete seinen früh verstorbenen Vater als Krämer; es ist jedoch festgestellt, daß Issachar Süßkind Oppenheimer nicht, beziehungsweise nicht nur Krämer war, sondern auch das Haupt und der „Star" einer Gesellschaft fahrender Sänger („Singer" genannt), die in Deutschland und Holland sehr beliebt war und sich häufig an Fürstenhöfen produzierte. Nach seinen eigenen Angaben hatte Joseph Süß Oppenheimer eine Schwester und drei Brüder, von denen zwei die Taufe nahmen (der eine wrar Kabinettslaktor des Hessen-Darmstädter Hofes und wurde mit dem Prädikat „Baron Tauffenberger" geadelt). Soweit den spärlichen Nachrichten über die ersten dreißig Lebensjahre Oppenheimers zu entnehmen ist, wurde er nach dem frühen Tode seines Vaters von einem Oheim in traditioneller Weise erzogen und für die Rabbinerlaufbahn bestimmt, verließ jedoch mit 18 Jahren seine Geburtsstadt, um in die Welt zu ziehen und sich eine umfassende allgemeine Bildung anzueignen. Er begab sich zunächst nach Frankfurt und erwarb später in Amsterdam, Wien und Prag Kenntnisse in verschiedenen Zweigen des Handelswesens, erlernte auch, überaus sprachbegabt, eine Reihe fremder Sprachen. Seine Bemühungen, in Wien oder Prag festen Fuß zu fassen, hatten anscheinend keinen Erfolg und um 1728 kehrte er in die Heimat zurück. Ein erster Versuch, mit dem Hof von Thum und Taxis in Frankfurt in Verbindung zu treten, mißlang und Süß war zunächst eine Zeitlang Prozeß vermittler für zwei Advokaten in Mannheim und betrieb überdies in kleinem Umfange den Juwelenhandel. Durch diesen scheint er in nähere Beziehungen zum Landgrafen von Hessen-Darmstadt gekommen zu sein, dessen Privatbankier er bald wurde. Damit begann Oppenheimers Aufstieg. Die kaufmännische und finanzielle Begabung des eigentlich aus einer Künstlerfamilie stammenden jungen Mannes brachte ihn rasch vorwärts. Dazu kamen noch seine gewandten Umgangsformen, seine