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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 446

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Eine Geschichtslüge
Date
1930-09-01
Page
Seite 446 (sequence 3)
Language
German
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446 MENORAH Eleganz und Unterhaltungsgabe. Schon im Jahre 1732 galt er in der Finanzwelt so viel, daß ihn sein Geschäftsfreund Isak Landauer, der langjährige Hofbankier des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg, einer der bekanntesten Finanzleute Deutschlands im 18. Jahr hundert, dem damaligen Generalgouverneur von Serbien und kaiserlichen Generalfeldmarschall Prinzen Carl Alexander von Württemberg und dessen Gemahlin, einer Prinzessin Thum und Taxis, als Hoffaktor empfehlen konnte. Dies tat Landauer, wie aus einem Gerich tsprotokoll hervorgeht, mit den Worten: „Hier bringe ich denjenigen, der mir die Schuhe austritt'4 — gewiß ein außerordentliches Zeugnis für Süß im Munde eines so erfahrenen und mächtigen Geldmannes. Und mit dieser Einführung schürzte sich der Knoten von Oppenheimers Schicksal. Ende 1733 trat Carl Alexander, obwohl Katholik, in dem protestantischen Württemberg die Nachfolge seines Vaters Eberhard Ludwig an und ernannte bald darauf, am 9. Jänner 1734, seinen Hof- und Kriegsfaktor Joseph Süß Oppenheimer zum Herzoglich Württembergischen Residenten und Kabinettsfaktor. Zu dieser Zeit hatten, vom Habsburgischen Kaiserhofe angefangen, fast alle deutschen Fürsten ihre ,,Hofjuden", deren Stellung als Bankiers, Geldagenten und gleichzeitig Privatsekretäre sehr einflußreich war; doch Carl Alexander räumte dem erst vor kurzem aufgetauchten Finanzmann eine Vertrauensstellung ein, die weit über das übliche Maß an Verantwortlichkeit, Einfluß und Macht hinausging. Dieses Vertrauen wurde während der ganzen Regierungszeit des Herzogs nie ernstlich erschüttert. Liegt schon darin eine Anerkennung für Süß' finanzielles Talent und Gebaren, so muß auch noch bemerkt werden, daß zwischen dem Herzog, einem der glänzendsten Kavaliere seiner Zeit, und dem schon in seiner äußeren Erscheinung überaus anziehenden Juden aus Heidelberg ein nahezu freundschaftliches Verhältnis bestand; hier hatten zwTei Männer mit weitem Horizont und kühner Tatkraft einander gefunden. Zunächst allerdings waren ihre Beziehungen sehr nüchterner Art. Carl Alexander, unter dem Einfluß der Jesuiten außerhalb des Landes erzogen und von den Ideen der katholischen Machtpolitik durchdrungen, brauchte Geld — nicht nur für seine persönlichen Bedürfnisse, sondern auch für die Durchführung seiner weitreichenden und ehr geizigen politischen Pläne. Diese gingen dahin, mit Hilfe einer starken Militärmacht die württembergische Landesverfassung sowie die Vorrechte der protestantischen Religion im Lande zu beseitigen, sich gegen die Stände zum absoluten Landesherrn auf zu-

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