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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 434

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Hiob
Date
1930-09-01
Page
Seite 434 (sequence 2)
Language
German
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434 ME N O RAH loschen. Ich habe Kinder gezeugt, dein Schoß hat sie geboren, der Tod hat sie genommen. Voller Not und ohne Sinn war dein Leben. In jungen Jahren habe ich dein Fleisch genossen, in spätem Jahren habe ich es verschmäht. Vielleicht war das unsere Sünde. Weil nicht die Wärme der Liebe in uns war, sondern zwischen uns der Frost der Gewohnheit, starb alles rings um uns, verkümmerte alles und wurde verdorben. Du hast es gut, Deborah. Der Herr hat Mitleid mit dir gehabt. Du bist eine Tote und begraben. Mit mir hat Er kein Mitleid. Denn ich bin ein Toter und lebe. Er ist der Herr, Er weiß, was er tut. Wenn du kannst, bete für mich, daß man mich auslösche aus dem Buch der Lebendigen. „Sieh, Deborah, die Nachbarn kommen zu mir, um mich zu trö sten. Aber obwohl es viele sind und sie alle ihre Köpfe anstrengen, finden sie doch keinen Trost für meine Lage. Noch schlägt mein Herz, noch schauen meine Augen, noch bewegen sich meine Glieder, noch gehen meine Füße. Ich esse und trinke, bete und atme. Aber mein Blut stockt, meine Hände sind welk, mein Herz ist leer. Ich bin nicht Mendel Singer mehr, ich bin der Rest von Mendel Singer. Amerika hat uns getötet. Amerika ist ein Vaterland, aber ein tödliches Vaterland. Was bei uns Tag war, ist hier Nacht. Was bei uns Leben war, ist hier Tod. Der Sohn, der bei uns Schemarjah hieß, hat hier Sam geheißen. In Amerika bist du begraben, Deborah, auch mich, Mendel Singer, wird man in Amerika begraben." Am Morgen des achten Tages, als Mendel von seiner Trauer auf stand, kam seine Schwiegertochter Vega, in Begleitung des Mister Glück. ,,Mister Singer" — sagte Mister Glück — ,,unten ist der Wagen. Sie müssen sofort mit uns kommen, mit Mirjam ist etwas passiert." „Gut" — erwiderte Mendel gleichgültig — als hätte man ihm mitgeteilt, daß man sein Zimmer tapezieren müsse. „Gut, gebt mir meinen Mantel." Mendel kroch mit schwachen Armen in den Mantel und ging die Stiegen hinunter. Mister Glück drängte ihn in den Wagen. Sie fuhren und sprachen kein Wort. Mendel fragte nicht, was mit Mirjam geschehen sei. Wahrscheinlich ist sie auch tot — dachte er ruhig. Mac hat sie aus Eifersucht getötet. Zum erstenmal betrat er die Wohnung seines toten Sohnes. Man schob ihn in ein Zimmer. Da lag Mirjam in einem breiten weißen Bett. Ihre Haare flössen lose, in einer funkelnden blauen Schwärze, über die weißen Kissen. Ihr Angesicht glühte rot, und ihre schwarzen Augen hatten breite runde rote Ränder; umkreist von Ringen aus Brand

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