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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 427

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Die Batlanim und Karl Marx
Date
1930-09-01
Page
Seite 427 (sequence 5)
Language
German
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DIE BATLANIM UND KARL MARX 427 hinein. Sagt die Bibel denn nicht: ,Die Ihr Euch weit vom bösen Tage achtet und trachtet immer nach gewaltsamer Aneignung...'10). Was sagt ihr dazu?" — „Was wir dazu sagen!" äifte ihn Rabbi Usiel boshaft nach. „Wir sagen dazu, daß du den Talmud scheinbar aufgegeben hast, um dich mit der Bibel zu befassen. Du hast wohl deinen Verstand verloren oder bist selbst ein Ketzer geworden wie dieser Marx! . . . Der Prophet spricht von jenen, die sich gerade in der Zeit mit Gütererwerb beschäftigen, welche uns für das Thorastudium angesetzt ist oder auch von denen, welche gerade diese Zeit mit Dummheiten und Albernheiten vergeuden. So und nicht anders sind die Worte gemeint, die du scheinbar gar nicht verstehst!" — „So?! Ihr meint, ich verstehe diese Worte nicht?" rief Heschel leidenschaftlich und seine Stimme klang noch heiserer als zuvor. „Und was sagt ihr von dem nächsten Verse: ,und schlafet auf elfenbeinern Lagern, und treibet Überfluß mit euren Betten; und esset die Lämmer aus der Herde, und die gemästeten Kälber; und spielet auf dem Psalter, und erdichtet euch Lieder, wie David; und trinket Wein aus den Schalen und salbt euch mit Balsam, und bekümmert euch nicht um den Schaden Josephs. ,."11). Kennt ihr diese Worte, und habt ihr sie verstanden? Von wem spricht denn der Prophet?" Auch seine Stimme hatte jetzt einen melancholischen, singenden Tonfall. „Spricht der Prophet von den Armen oder von den Reichen? . .. Wer salbt sich das Haar auch in unseren Tagen? Wer trinkt Wein? Die Armen oder die Reichen?" fragte er in seinem Singsang weiter. „Und was habt ihr eigentlich Neues in diesem Buche entdeckt? Sagt der Prophet denn nicht: ,Denn der Herr hat geschworen bei seiner Seele, spricht der Herr der Gott Zebaoth: mich verdrießt die Hoffart Jakobs und bin ihren Palästen gram, Und ich will auch die Stadt übergeben mit allem, was darinnen ist .. ."12). „Was sagt ihr dazu? .. . Gott sagt selbst, daß ihn die Paläste verdrießen, daß er sich von denjenigen abwandet, die da auf elfenbeinern Lagern ruhen, und ihr wollt mich davon überzeugen, daß Marx von der Bibel keine Ahnung hat! Ich finde gerade, er hat sich mehr in die Bibel vertieft, als irgend einer von euch!" iDamit hatte er seinen Zuhörern wahrhaftig zu viel zugemutet. Rabbi Usiel mußte seiner Empörung irgendwie Luft machen. — „Du bist doch vollkommen übergeschnappt!" schrie er in Heschels singendem Tonfall, um ihn besonders empfindlich zu kränken. „Macht Gott den Menschen reich oder nicht? Alle großen Gelehrten 10) Vgl. Arnos 6,3. ») Arnos 6, 4—G. 12) Arnos 6, «—8.

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