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Menorah · 1930-09-01 · Heft 9-10 (September 1930) · p. Seite 428

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 9-10 (September 1930)
Article
Die Batlanim und Karl Marx
Date
1930-09-01
Page
Seite 428 (sequence 6)
Language
German
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428 MENORAH haben bis jetzt behauptet, der Reichtum sei eine Gabe Gottes, und nun kommt auf einmal ein Goj oder ein getaufter Jude oder weiß der Teufel, wer der Mensch ist, und will uns da was einreden! Ist es nicht der größte Unsinn, zu behaupten, daß die Reichen ihre Güter mit Gewaltmitteln, welche sie sich selbst ausgedacht haben, durch eigene Kraft an sich reißen! Hör' mal, Heschel! Ich kenne dich schon lange und weiß, daß du ein frommer und fleißiger Junge bist, sonst würde ich nach unserem heutigen Gespräch überhaupt nichts mehr mit dir zu tun haben! Zu deinen Gunsten will ich aber annehmen, daß du heute nicht ganz bei Sinnen bist! Vielleicht bat die Nachricht vom Tode deiner Eltern einen solchen Eindruck auf dich gemacht. Ich habe gemerkt, daß du seit einiger Zeit nicht mehr ganz richtig bist." Heschel preßte die Zähne zusammen, ging aber auf die Beleidigung nicht ein. „Ich will euch wiederholen, was der Prophet weiter sagt", antwortete er nur. ,,Er meint: ,Und erfreuet euch dessen, was gar nichts ist, und sprechet: ,,haben wir denn nicht mit unserer Kraft unsere Hörner erworben?"13) „Hat ihnen denn Gott die Betten aus Elfenbein, die Schalen mit Wein, die Lämmer und die Kälber und die wohlriechenden Salben gegeben? Von welchen Hörnern ist denn hier die Rede? Von welchen Rechten? An wen wendet sich denn der Prophet, wenn er sagt: ,Freuet euch dessen, was gar nichts ist.' Kann man denn etwas, was uns von Gott gegeben ist, nichts nennen? Ist denn eine Gabe Gottes nicht etwas sehr Wichtiges? Eine Gabe Gottes ist das höchste Glück, das einem Menschen zufallen kann, und der Mensch muß sich freuen über diese Gabe. Tut er es nicht, so begeht er ein Verbrechen! Der Prophet aber spricht von dieser Freude und verurteilt sie. als wäre sie eine Sünde!" — „Na, wo willst du denn hinaus mit deinen Reden?" rief Rabbi Usiel zornig. — „Ich will nur wiederholen, daß Marx in seinem Buche vollkommen recht hat." Nun brach die aligemeine, mit Mühe zurückgehaltene Empörung endlich aus. Man schrie und drohte, bis einige von den Anwesenden, die sich in ihren Gefühlen besonders verletzt fühlten, sich auf Heschel stürzten und ihn mit Schimpfen und Stößen aus dem Bethaus jagten. Der arme Junge stand draußen, auf dem verschneiten Hole und weinte. Die ganze Szene hatte sich in meiner Anwesenheit abgespielt. Mir tat Heschel so leid, daß ich mich fast ebenso unglücklich fühlte wie er selbst. l»j Arnos, 6, 13.

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