Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Die Batlanim und Karl Marx
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 426 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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426 MENORAH beraubt. .. Dann spricht er von allen Arten des Reichtums und verurteilt sie alle. Er behauptet nämlich, daß der Reichtum auf nichts anderem aufgebaut sei als auf Diebstahl und Ausbeutung. Er meint mit diesen Worten, der Reiche lebt von der Arbeit des Armen! „Er nimmt sich sogar die Freiheit, dem großen Ecclesiastes zu widersprechen, der uns gesagt hat: ,Es ist eine große Plage, die ich sehe unter der Sonne, Reichtum behalten zum Schaden dem, der ihn hat.'8) Dieser Marx bildet sich wohl ein, der Reichtum sei nicht für denjenigen schädlich, der ihn besitzt, sondern für den, welcher ihn verdient, aber nicht errungen hat, das heißt, der Reichtum sei für alle Armen schädlich. Der Reichtum, sagt er, ist eine gefährliche, böse Sache; keine Belohnung des Gerechten für seine Wohltaten und Almosen, für das Erlernen der Thora, die jedem Juden helfen muß, sich das Lebensglück zu erringen, wie es uns unsere Lehrer gelehrt haben : ,ein jeder, der den Gesetzen der Thora in seiner Armut nachgeht, wird es am Ende auch im Reichtum tun', Diese heiligen Worte bedeuten dem Verfasser dieses Buches nichts. Wenn man sich seinen Reichtum auch auf ehrlichem Wege verschafTt, so ist dies seiner Meinung nach nichts anderes als Ausbeutung, Raub bei hellichtem Tage, ein Vergehen, gegen das man verpflichtet ist mit aller Kraft anzukämpfen." Die Worte Rabbi Usiels versetzten seine Zuhörer in das größte Entsetzen. Sie trauten ihren Ohren kaum und sahen sich tief bestürzt an. — „Ja, weiß denn die Regierung von der Existenz dieses Buches?" fragten einige der Versammelten. — „Aber natürlich," erwiderte Rabbi Usiel, „das ändert jedoch vorläufig nichts an der Sache." — „Ist das denn möglich, daß der Täter nicht unschädlich ge macht wird?" klangen die Stimmen wieder durcheinander. „Es kann doch nicht an Mitteln fehlen, einen solchen Unhold zu strafen! Man sollte ihn fassen, ihn in die Blätter seines Buches einwickeln und ihn so verbrennen!" Da erhob sich ganz plötzlich einer der Jeschiweschüler0), Heschel der bis jetzt ganz still dagesessen hatte. „Ich schwöre bei Gott, daß der Verfasser dieses Buches recht hat!" rief er mit tiefer heiserer Stimme. „Er ist verrückt! Der Junge ist krank!" klang es rings umher. Die Erregung nahm mit jedem Augenblicke zu. — „Nein, ich bin bei Sinnen", schrie Heschel in den Wirrwarr 8> Ecel. 5, 12. 9) Jeschiwe — jüdische Tahnufiitbademie.