Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1930)
- Article
- Die Batlanim und Karl Marx
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 425 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE BATLANIM UNI) KARL MARX 425 bin. Ich muß aber sagen, daß ich dies alles nicht bereue. Jetzt will ich erst recht wissen, was der große Ketzer unserer Zeit sich da ausgedacht hat." Bevor ich zur Antwort von Rabbi Usiel übergehe, möchte ich ihn mit einigen Worten schildern. Ich entsinne mich sehr gut, daß er ganze Tage über den Talmud gebeugt zubrachte. Wenn er irgend eine Stelle nicht verstehen konnte, las er sie, den Kopf zwischen den Händen, einige Mal durch: wenn es dann doch nicht gelang, schrie er ganz kläglich: ,,Ha, es schickt sach nit!"5) Dann suchte er schnell die Stelle, wo die Kommentare standen, vertiefte sich in die verwickelten Erklärungen und schrie dann plötzlich ganz freudig: ,,Ha, es schickt sach schoin!" Sicherlich hatte Marx nicht die blasseste Ahnung von der Existenz dieser sonderbaren Bethaustypen, die sich zwischen Mincho und Mairew so leidenschaftlich in die talmudistische Philosophie vertieften, und sicherlich wäre er sehr erstaunt gewesen zu erfahren, daß einer dieser Menschen die Ideen seines großen und so folgenschweren Buches der jüdischen Bevölkerung als Pionier überbrachte. Rabbi Usiel schickte sich also an, die Fragen seiner Freunde zu beantworten, und begann seinen Vortrag über Marx in demselben sin genden Tonfall, in dem man den Talmud liest: „Erstens erklärt uns der Verfasser, daß Reichtum und Armut uns nicht von Gott gegeben sind. Wahrscheinlich hat dieser unwissende Kerl die Bibel noch nie in der Hand gehabt! Und dabei hat sie doch .der Dessauer46), sei sein Name verflucht, in die deutsche Sprache übersetzt! Hätte dieser Marx auch nur die leisteste Ahnung von der Bibel gehabt, so würde er auch wissen, daß niemand anders als Gott den Menschen arm oder reich macht, ihn sinken läßt oder erhebt. Dadurch, daß er selbst so ungebildet ist, sündigt Marx nicht nur selbst, sondern zieht auch andere mit in seine Sünde hinein, indem er versichert, solche Sachen hingen nicht von Gott, sondern von dem Menschen selbst ab! „In seiner Kurzsichtigkeit glaubt er sogar, daß nur die Arbeit belohnt werden kann und daß nur sie einen Menschen wohlhabend machen dürfte. Nun hört mal weiter: er sagt, wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen . .. W'eiter erklärt er, was Reichtum sei, und ist dreist genug zu behaupten, daß ein Fabrikant oder Gutsbesitzer etwas Ähnliches sei wie ein Jissochor, der in seiner Hütte sitzt und sich des Lebens freut7) und seinen Nächsten des ihm zukommenden Verdienstes B) Es klappt nicht. G) Der Dessaaer — Moses Mendelsohn. ") Siehe Deuteronomiam 33, 18.