Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Im Fernen Osten
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 406 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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406 MENORAH jüdischen Geschichtsforscher eine Fundgrube interessanter Tatsachen bilden. Im Laufe einer Reise von dreißigtausend Meilen konnte ich wiederholt die im Westen wohlbekannte Erscheinung beobachten, daß die Juden zwar von ihrer Umgebung vielfach beeinflußt werden, daß sie aber stark und schöpferisch genug sind, um ihrerseits der Umgebung den eigenen Stempel aufzudrücken". Ich habe mich eifrig bemüht, habe auch zwischen den Zeilen zu lesen versucht denn es ist schließlich begreiflich, wenn man in einem solchen Buche nicht alles sagen kann — aber ich habe wenig gefunden, was er aus der ,,Fundgrube" herausgeholt hat. Über die ersten drei Kapitel — die überfahrt nach Palästina und den Aufenthalt dort tut man überhaupt besser, zu schweigen. Aber auch weiterhin offenbart sich eine Kindlichkeit der Auffassung, die geradezu komisch wirkt. Indessen ist es schwer möglich, dreihundert Seiten einer solchen Reisebeschreibimg ausschließlich mit — sagen wir, mit Nichtigkeiten zu füllen. Gewissermaßen wider Willen berichtet Cohen auch interessante Dinge. Kreilich muß man sich fragen, wieweit das Anekdotische verläßlich ist. Nicht etwa, als ob man Grund halte, an seiner Wahrheitsliebe zu zweifeln. Ganz im Gegenteil. Das Wohltuendste an dem Buche ist die absolute Ehrlichkeit. Aber Cohen scheint ein wenig kritiklos zu sein --• erzählt er doch einmal eine romantische Geschichte von einem armen Juden aus Kaschgar, den er in Schanghai kennenlernt, und der in Verzückung seinen Erzählungen aus Palästina lauscht. In einer Fußnote stellt Cohen aber selbst fest, daß der Mann später als Betrüger, als mohammedanischer Bettler, entlarvt wu iide. Nun, so schlimm muß es ja nicht immer sein. Verhältnismäßig am erfreulichsten sind die Berichte aus Australien. Man erfährt zwar nicht, wie die Masse der Juden lebt, denn Cohen berichtet stets nur von den Honoratioren, deren Ämter und Ehrentitel er gewissenhaft und mit gebührender Andacht verzeichnet. Aber immerhin herrscht — wenigstens in Victoria — etwas zionistisches Leben. Wie es scheint, ist dies hauptsächlich den noch nicht allzu lange ansässigen galizischen Juden zu danken. Daß der Höchstkommandierende der australischen Truppen im Weltkriege General Monasli — ein Reserveollizier, von Beruf Ingenieur — Jude ist und dem Zionismus wohlwollend gegenübersteht, nimmt man mit Befriedigung zur Kenntnis. Weniger erbaulieh ist ein anderes Porträt aus Melbourne: „Ein zweiler hervorragender Jude, den ich kennenlernte, war der Richter Isaacs, Mitglied des Obersten Gerichtshofes, dessen Entscheidungen, wie man mir sagte, von englischen Größen auf diesem Gebiete aufs höchste gelobt werden. Er ist wieder ein Beispiel dafür, wie unsere Leute nur durch eigenes Verdienst und Charakterstärke die höchsten Stellen erklimmen können. Als Sohn eines armen russischjüdischen Schneiders geboren, brachte er sich zuerst als Volksschullehrer fort, studierte aber in seiner freien Zeit die Rechte und wurde schließlich Advokat... Was ihn am Zionismus am meisten interessierte, war die Frage der Nationalität. Er konnte nicht begreifen, daß man von Volkstum spreche, wo kein eigenes Land vorhanden sei. . . Er erzählt»; mir, er studiere hebräische Grammatik, die er seil seiner Kindheil vernachlässigt hatte . . . Moderne Sprachen seien sein Steckenpferd, und er spreche auch Russisch und Neugriechisch. Es lag mir daran, daß er den Zionismus besser kennenlerne, und so freute es mich zu huren, daß er im kommenden Jahre auf dem Wege nach England auch Palästina zu besuchen gedenke. Ich gab ihm auch eine Einführung an Sir Herbert Samuel, aber später hörte ich, daß er in Palästiua bloß einen einzigen Tag verbracht hatte, eine Zeit, die wohl kaum genügte, um vorgefaßte Meinungen zu korrigieren, geschweige denn, neue Eindrücke zu gewinnen." Nett ist auch das Geschichtchen, daß in Sydney das Parlament am Yom Kippur ver-