Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Im Fernen Osten
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 407 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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IM FERNEN OSTEN 407 tngl wurde, weil sowohl der Sprecher (unser Präsident) als auch sein Vertreter Juden waren! Der Preis, den die australische Judenheit für ihre gesicherte Stellung bezahlt, ist natürlich das erschreckende Abbröckeln, hauptsächlich durch Mischehen. Bei jüdischen Veranstaltungen sollen mehr als die Hälfte der Gäste Nichtjuden sein, auch wenn nur die Verwandten der Gcmeindemitglieder geladen sind. Auch in Japan stößt man auf solch«? Ehen: ..In Kohe fiel es mir zweimal schwer aufs Herz, wie vereinsamt doch diese kleine Kolonie war, und welch tragische Konsequenzen steh aus dieser Einsamkeil ergehen. Ein Jude dort war mit einer Japanerin verheiratet, aber er tat so, als kenne er seinen schlitzäugigen Sohn nicht, der während des ganzen Abends stumm und schüchtern dasaß, und dessen Verhältnis zu dein Alfen ich erst durch den gemeinsamen Freund erfuhr. Her Vater redete mir sogar ein, daß er in London lohe und nur vorüber gehend hier sei. Und da er sich halbwegs freigebig erwiesen hatte, paßte es mir nicht, seine Wahrheitsliebe anzuzweifeln. Der zweite Fall war der eines Mannes, der selbst aus einer Mischehe zwischen einem englischjüdischen Vater und einer japanischen Mutter stammte. Er trug einen jüdischen Namen, aher japanische Züge, und seine Ansichten waren geradezu antisemitische!" In Hongkong lernt er das Stammhaus der Sa.ssoons kennen: „Der hervorragende Begründer ihres Ruhmes und ihres Vermögens \\ar David Sassoon (der Sprößling eines Stammes, die als die Ihn Schoschans unter Ferdinand und Isabclla in Spanien lebten), in Bagdad im Jahre 1702 geboren und vierzig Jahre später in Bombay ansässig- Dort gründete er das Handelshaus David Sassoon und Kompanie. Er war mit acht Söhnen und vier Töchtern gesegnet, und mit Hilfe der treuen und tatkräftigen Mitarbeit seiner Söhne entstand das weilverzweigte und glänzende Bank- und Handelsgeschäft, das im Osten ungefähr die Rolle spielte wie das gleichzeilig gegründete Haus Rothschild im Westen. Er seihst eröffnete eine Zweigniederlassung in Kalkutta, sein Sohn Elias gründete solche in China und Japan. Elias, der viele Monate des Jahres auf den unbequemen Segelschiffen jener Zeit verbrachte, eröffnete Zweiggeschäfte in Kanton, Hongkong und Schanghai sowie Agenturen in Yokohama und Nagasaki. Die Niederlassung in Kanton war eröffnet worden, bevor Hongkong in britischen Besitz kam und wurde später dahin übertragen. Einige Jahre nach seines Vaters Tode trat Elias aus der Firma aus, gründete ein Kon kurrenzunfernchmen und errichtete Niederlassungen in allen Orten, wo sich solche der väterlichen Gesellschaft befanden. Die Direktoren und Angestellten dieser Filialen waren Juden aus Bagdad und aus Indien; sie waren die Pioniere der neuen Gemeinden. Ihr Chef baute ihnen Synagogen, und sie wurden berühmt ob ihrer Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Das sephardische Ritual wie auch die Gebräuche ihres Heimatlandes haben sie getreulich bewahrt. Was mich seltsam berührte, war die Tafsache, daß auch die jetzige Generation noch die arabische Muttersprache ihrer Vorfahren spricht; untereinander habe ich sie selbst Arabisch sprechen hören, wiewohl diejenigen unter ihnen, die in China geboren sind, es nicht mehr schreiben und lesen können. Wie man mir sagt, wurden früher auch die Geschäftsbücher in jüdischarabischer Sprache, mit hebräischen Lettern geschrieben, geführt. Heute ist die Geschäftssprache Englisch, wenn auch fast alle Cciucindemitgliedcr fließend Chinesisch sprechen." In Kyoto macht Cohen die Bekanntschaft jener interessanten allen Mrs. Gordon, einer Niehtjüdin, die seinerzeit die Ugandaexpedition finanziert hatte und auch heute noch große Summen für den Zionismus spendet. Die gelähmte, aber überaus geistesfrischc Greisin glaubt steif und fest, die Japaner seien die verlorenen Zehnstämme. Die traurigste Erfahrung machte Cohen auf Manila: . . . Als ich meine kleine schwarze Brieftasche öffnete und (V.o. Ein-