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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 392

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1930-07-01
Page
Seite 392 (sequence 4)
Language
German
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392 MENORAH Fleisch ein neu hinzugekommenes Produkt aus der Diaspora. Jener geriebene Akzisenjude hatte im ganzen zwei Fleischbänke errichtet, eine in Algorobo und die zweite in Alice. Kopf an Kopf, von früh bis abends, standen die Leute Schlange vor der Fleischbank und warteten. Oft bekamen sie von den Schlächterjungen Knochen an den Kopf, und nicht selten wurde man ausgeschimpft. Klage führen? Wo? Bei wem? Der stumme Engländer, Sir Butel, sah seinem Dragoman in den Mund, und dieser ging mit dem Fleischhauer Hand in Hand. Wer Beschwerde führte, wurde mit einer Geldstrafe belegt. Hier soll auch eine Geldstrafe von 120 Pesos, die einer unserer Kolonisten unter Goldsmiths Regime leisten mußte, erwähnt werden. Jizchok Weinfeld aus Landskron in Podolien. ein fähiger Kolonist und Haupt einer zahlreichen Familie, hatte sich im Verein mit anderen Kolonisten gegen den Moiiopolinhaber Satanowski erhoben. Satanowski aber leistete sich, um sich seines Gegners zu entledigen, ein echt russisches Stückchen: er erstattete an die Monopolinhaber die Anzeige, daß Weinfeld in seinem Häuschen einen geheimen Laden unterhalte. Ein Kommissar mit sechs Polizisten überfielen seine Wohnung, hielten eine Hausdurchsuchung ab und fanden zwei vernagelte und versiegelte Kisten, die noch das Hamburger SchifTssiegel trugen. .,Aha, Konterbande!" schrie der Kommissar. „Der importiert Ware aus Europa und schmuggelt den Zoll!" Der alte Weinfeld wurde verhaftet, die Ware konfisziert und ins Gericht nach Nuevo de Julio abtransportiert. Dort wurden die Kisten geöffnet, und man fand Geschirr in ihnen, teure Porzellan- und Glasgeräte, einen großen Kristallkelch mit der hebräischen Inschrift: ,.Kelch des Propheten Elijahu", der in Wien, noch im Jahre 1845, angefertigt wurde, Tassen, Schüsseln und ähnliche Dinge. Das alles befand sich in den Kisten! Der alte Weinfeld erklärte, es sei sein Pessachgeschirr, das er noch von seinem Großvater Rabbi Kaiman geerbt habe: ,,Alles," stöhnte er, „mein ganzes Vermögen habe ich in Rußland verkaufen müssen, nur von diesen Erbstücken konnte ich micht nicht trennen, darum brachte ich sie hierher!" Aber wer glaubte ihm denn? Der Kommissar und der Richter hielten den Kolonisten vierzehn Tage lang gefangen, bis das Büro eine Strafe von 120 Pesos für ihn erlegt hatte. Im Verwaltungsarchiv von Maurizio kann man noch heute, in der Abteilung des Jahres 1893, einen Brief mit der Verordnung Sir Albert Goldsmiths finden, daß dem Kolonisten Weinfeld allmonatlich

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