Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Mané-Katz, der "jüdische" Künstler
- Date
- 1930-07-01
- Page
- 364 (sequence 4)
- Language
- German
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Marc Chagall Hochzeit — IS)IS ^lust'itiri fi'ir Modcr/u- Knust in Li'/iing/uu! eigener Empfindungs- und eigener Umwelt. Denn auch ein Blumenstrauß und ein Tier isL wenn es Chagall mall, ein jüdisches Tier und ein jüdischer Strauß. Dinge, deren >prachliche A([uivalenle sieh wohl nur im gesprochenen Jiddisch finden. Dies nämlich isl die Tal Chagalls: er schuf eine neue Formerisprache, ein Jiddisch der Malerei, das ebenso wie jene merkwürdigste der Sprachen aus nnhomogenen Elementen erwachsen, ebenso barbarisch, reizvoll, überraschungsreich und suggestiv isl.wie sie. Jn seiner Kunst sind also Form und Inhalt von vornherein eins. Mane-Katz aber spricht die Sprache der europäischen Malerei. Doch sie blieb ihm innerlich fremd. Er versieht den in Ii nie n Sinn und die Tragfähigkeil ihrer Wörter nicht. Er verballhornt sie und gebraucht in einem Zusammenhang Redensarten, die sich miteinander nicht verlragen. Er traut ihr obendrein nicht. Nachdem er z. B. in einer Landschaft — beiläufig gesagt, ist das eine seiner besten Arbeiten — die Traurigkeit, die ihn erfülll. mit großer Eloquenz durch die Farbe zum Ausdruck gebracht hat. sieht er sich, voll nervöser Sucht. es ja nur recht deutlich zu machen, und voll Mißtrauen zu seinen Mitteln, bemüssigl. es noch eindringlicher zu sagen und läßt ein armes, trauriges, schwarzäugiges Eselchen als Wortführer vor die Landschaft treten. Dadurch begibt er sich der wunderhaflen Möglichkeil der Kunsl. den Beschauer zum schöpferischen (ienießen anzuregen. Ja. er beleidigt ihn eigentlich, indem er ihm so wenig Verständnis zumutet. Höflich ablehnend:. wenn auch nicht ohne jenes Interesse, das sie Kunstäußerungon l-'remder entgegenzubringen pflegen, nennen Franzosen diese Malerei —- jüdische Sehlde. Vngeduldig. seine eigene Kunst zu besitzen, eher national als künstlerisch interessiert, jubeil ihr das jüdische Publikum zu. Es gehörte wahrlich Ernst und Ehrlichkeil dazu, die erfolgreiche bisherige Art aufzugeben. Die Wendung zur Landschaft, die Mane-K;ilz letztens vollzog, die kleinen (iouaches, die er jetzt malt, zeigen, wie sehr er sich bemüht. Haltung anzunehmen. Es ist zu hoffen, dal,i er unter dem Einfluß des gemäßigten, milden Klimas der französischen Kultur jene Kraft und Hube gewinnen wird, die er braucht, um