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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 349

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
David Golders Tod
Date
1930-07-01
Page
Seite 349 (sequence 5)
Language
German
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DAVID GOLDERS TOD 349 Er atmete mit Anstrengung, seufzte leiser: „Vorbei." Er erhob sich. Wankte. Draußen verdunkelte sich unmerklich Himmel und Meer. Die Kabine war schwarz wie in tiefer Nacht. Nur durch die Schiffsluke drang ein merkwürdiges Licht, ein trügerischer Schein, trüb, armselig und ohne zu leuchten. Golder suchte tastend seinen Mantel, legte ihn an, verließ die Kabine. Er streckte beide Hände aus wie ein Blinder. Bei jedem Wellenschlag zitterte das ganze Schiff, bäumte sich und tauchte unter, wie wenn es im Meere versinken und verschwinden sollte. Er kletterte mit Mühe die kleine starre Leiter hinauf, die zum Verdeck führte. ,,Achtung, Genosse, es ist windig dort oben" — rief ein Matrose, der herunterlief. Starker Branntweingeruch wellte Golder ins Gesicht. „'s tanzt, Genosse..." — „Ich bin gewöhnt," brummte Golder trocken. Aber mit Mühe erreichte er das Verdeck. Meeresbrandung schlug ans Schiff. In einer Ecke lagen, einen Haufen bildend, unter einer durchnäßten Plane dicht aneinandergepreßt, zitternd wie dumpfes unbewegliches Vieh, die Schurum-Burum. Einer von ihnen hob den Kopf, als er Golder erblickte, und rief mit durchdringender, klagender Stimme einige Worte, die im Lärm verhallten. Golder gab zu verstehen, daß er nicht gehört hatte. Der Mann wiederholte seine Worte mit mehr Kraft, dabei sein fahles Gesicht verziehend, in dem funkelnde Augen sich unruhig bewegten. Dann packte ihn ein Brechanfall, er fiel jäh zu Boden und blieb, ohne sich zu rühren, auf seinem alten Schafspelz liegen, zwischen Warenballen und den ausgestreckten Menschen. Golder ging vorbei. Bald mußte er haltmachen. Er blieb gekrümmt stehen wie ein Baum, den heftiger Wind biegt, mit gespannten Zügen, einen scharfen Geschmack von Meersalz und Bitterkeit auf den Lippen. Er vermochte nicht die Augen aufzumachen, umklammerte mit beiden Händen eine eiskalte nasse Eisenstange, an der seine Finger starr wurden. Das Schiff schien bei jedem Schlag zu sinken und unter der Last des Meeres zu zerbrechen. Und aus seinem Körper stieg ein langer, tonloser, herzzerreißender Klagelaut, manchmal das Getöse von Wind und Wellen übertönend. 3,Bravo," dachte Golder, ,,das hat mir gefehlt." Er rührte sich jedoch nicht von der Stelle. Er ließ mit einer düsteren Wonne seinen alten Körper vom Sturme schütteln. Meerwasser mit Regen vermischt netzte seine Wangen, seine Lippen; seine Wimpern und Haare waren steif vom Salz. Plötzlich hörte er eine Stimme, die in seiner nächsten Nähe rief; aber der Wind schnappte die Worte weg. Er hob mit Mühe

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