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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 346

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
David Golders Tod
Date
1930-07-01
Page
Seite 346 (sequence 2)
Language
German
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346 MENORAH perverse und raffinierte, im Grunde noch unzivilisiertere, Gloria verwandelte, und Joyoe, seine Tochter. Golder selbst schuftete weiter, schuftete immer mehr. Denn immer kompliziertere und gewagtere Geschäfte mußte er unternehmen, um sich den Rang nicht ablaufen zu lassen, immer kostspieliger wurde die Lebensführung der gehaßten und hassenden Gattin, immer phantastischer die Bedürfnisse der vergötterten indifferenten Tochter. Als schwere Krankheit den einstweilen altgewordenen Mann einmal viele Monate von aller Tätigkeit fernhielt, kamen seine Geschäfte derart in die Enge, daß ein Bankrott drohte. Von Gloria, die seine freigebige Liebe zu Joyce in blindwütige Raserei versetzte, darüber aufgeklärt, daß Joyce nicht sein Kind ist, sieht Golder jetzt keine Veranlassung mehr, die Gefahr abzuwenden. Im Gegenteil, als eine Rache an seiner Umgebung läßt er den Ruin hereinbrechen. Zermürbt zieht er sich von seinem bisherigen Leben zurück, wohnt allein in der riesigen, leeren Wohnung; karg, verarmt, ein alter, müder Jude. Da besucht ihn eines Tages Joyce und klagt über Not. Der Löwe erwacht. Er kann doch sein Kind nicht darben lassen, kann nicht erlauben, daß man David Golders Tochter Armut nachsagt. Trotz Krankheit und Erschöpfung stürzt er sich wieder in fieberhafte Arbeit. Wieder wird er Reichtümer zusammenscharren. Doch erreicht ihn während einer Geschäftsreise, nachdem er sich in derselben kleinen Hafenstadt, von der einst sein Eroberungszug ausging, einschiffte, um nach Hause zurückzukehren, auf hoher See der Tod. Gefährte seiner letzten Stunden ist ein kleiner Juden junge, der wie er vor soundso vielen Jahren nach Paris will, um dort reich zu werden, ein künftiger David Golder, Anfänger im selben Lebenskampfe, dessen furchtbare Sinnlosigkeit des sterbenden Veteranen letzte Erkenntnis bildet. .. Um 5 Uhr wurde Golder von dem ersten Sirenenheuleri des Hafens aus dem Schlafe geweckt. Er bückte sich mit Mühe, zog seine Schuhe an, machte sich noch einmal am leeren Hahn des Waschbeckens zu schaffen, läutete, wartete lange vergebens. Ein bißchen Kölnischwasser war in der Flasche im Koffer geblieben; er schüttete es über seine Hände und sein Gesicht, klaubte seine Sachen zusammen, ging hinunter. Unten erst gelang es ihm, sich ein Glas Tee servieren zu lassen. Er zahlte, verließ das Haus. Mechanisch suchte er mit den Augen nach einem Wagen. Aber 29. Kapitel.

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