Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- David Golders Tod
- Date
- 1930-07-01
- Page
- 345 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DAVID GOLDERS TOD aus dem Romane „David Golder" von Irene Nemirovsky Vorwort des Ubersetzers Die Mode der Juden in der Literatur ist, in Frankreichjjwenigstens — man kann angesichts der Qualität der Werke, die sie inspirierte, nicht umhin, Gott Lob zu sagen — gründlich vorbei. Jüdische Autornamen oder Titel ziehen nicht mehr, wie es einige Jahre lang der Fall war. Wenn nun trotzdem „David Gold er" zu einem der gelesensten Romane dieses Jahres gehört, so liegt das nicht nur im seiner sozusagen sensationellen Geburt. Man erzählt es zwar immer wieder, wie eines Tages eine junge Dame im Grasset-Verlag ein Manuskript abgab mit der Bitte, den Bescheid an eine Chiffre postlagernd mitzuteilen, wie der Lektor mit beglücktem Staunen in den hinterlegten Papieren ein Meisterwerk zu entdecken glaubte, dessen Autor er dann monatelang suchte und wie sich dann schließlich die junge, 23 Jahre alte Verfasserin doch meldete, nachdem sie, in der Zwischenzeit Mutter geworden und schwer krank gewesen, nach der Genesung am Postamt als Antwort des Verlages Korrekturbogen vorfand. Doch auch ohne diese — übrigens wahre •— Geschichte und trotz der schlechten Konjunktur würde sich David Golder auf dem Büchermarkt behauptet haben. Es ist nämlich wirklich ein erstaunlich gut geschriebenes Buch. Packend und straff geführt seine Handlung, gewandt die Milieuschilderung, deren Kraßheiten durch den sachlich erzählenden Ton, in dem die Teilnahme, ja die Anwesenheit des Erzählers nie zu bemerken ist, an Überzeugungskraft gewinnen. Und wahrhaft groß artig aber dieHauptgestalt, eine lebenswarme Verkörperung tragischen jüdischen Industriell ondottierent ums, so stark, daß sie jenen dichterischen Schöpfungen zuzuzählen ist, die zu Repräsentanten bestimmter Seelen und Schicksalsartungen, direkt zu Aligemeinbegriffen werden. Man könnte von nun ab gewissermaßen von einem David Golder sprechen, wie man zum Beispiel von einem Rastignac, einer Madame Bovary oder einem Shylock spricht, die Person, die man so bezeichnet, dadurch eindeutig charakterisierend. David Golder stammt aus dem Osten. Er kam jung nach Paris und wurde da bald, nach einigen bitteren Hungerjahren, zu einem der mächtigsten Naphthaspekulanten. Genießer des ungeheuren Vermögens war aber bloß seine Frau, die sich aus einer primitiven Chaja in eine