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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 337

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Die Jüdin in der modernen Literatur
Date
1930-07-01
Page
Seite 337 (sequence 18)
Language
German
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DIE JÜDIN IN DER MODERNEN LITERATUR 337 Max Brod hat seinen Geschöpfen eine starke Lebenskraft mitgegeben. Das Mädchenbild, das sowohl in der Malerei wie in der Literatur schwieriger zu gestalten ist als das Bild der Frau, wurde von ihm mit fröhlicher, frühlinghafter Frische gezeichnet. Trotz all der schicksalsträchtigen Schwere, die das Mädchenleben beherrscht, trotz Irenes verwickeltem Seelenleben, bleiben diese Bilder frisch als die von mädchenhaften Frauen, aus deren Augen Jugend strahlt und aus deren Verzweiflung dennoch Lebensfreude emporsprüht. Wie fern sind wir hier den überhitzten, ausgeklügelten, böswilligen Gestaltungen der Jüdin in fremden Literaturen. Mitten im jüdischen Volk steht Brod, und da hat er Umschau gehalten, skizziert er mit weder zu dünnen noch zu dicken Linien, indem er seine kleinen Jüdinnen zeichnet in lose wehenden Sommerkleidern, mit allerhand Tugendhaftem und Untugendhaftem in ihren dunklen Augen, aber ohne die Bosheit, die andere in diesen Augen sehen wollten, um die jüdische Rasse von der menschlichen Allgemeinheit abzusondern. Eine tapfere, ausgeglichene, das Leben ernst, aber nicht zu schwer nehmende Jüdin brachte Brod in seinem Roman „Das große Wagnis", worin Ruth, eine Zionistin, der männlichen Hauptperson stets sittliche Kompressen auf die heiße Stirn legen muß. In ihr sieht Brod die Jüdin als warmherzige, energische Frau, die übermäßigen Intellektualismus von sich fern hält und den Gefühlsüberschwang anderer in ein Gleichmaß des Empfindens umzusetzen trachtet. In „Franzi" dagegen rügt er, daß die Jüdin in der Liebe zu ernst, aber auch zu anspruchsvoll sei. Sie kenne nicht die ungezwungene Gebärde der völligen Hingabe an den Mann, ohne etwas von ihm zurückzuverlangen. Die alles gebende, nichts fordernde Liebe finde man wohl bei den Mädchen aus dem Volke in den europäischen Ländern. Aber das Buch beweist, daß dieses nur ein Wahn ist, indem das Christenmädchen, das sich heute ohne Gegenforderungen dem einen hingibt, sich dadurch nicht gebunden fühlt und sich morgen in freiem Willensentscheid auch einem anderen schenkt. So wenigstens handelt Franzi, das liebe, lustige Mädel1), das ihrem Geliebten die Freuden bringt, die ihm Marianne, die ernste Jüdin, nicht geben kann: „Als Schicksal erlebt die Jüdin ihre Hingabe gewiß. Aber doch nur als ein Schicksal mit Sicherung, nicht wahr? — Schicksal aber ist mehr. Ich kannte ein Zum Vergleich auch die Frauengestalt in einem der letzten Brodschen Romane: ,B£übenia (München, 198.5), während in seinem »Zauberreich der Liebe" die Jüdin solange eben die Leichtsinnige, doch Beruhigende i&t, und die Norddeutsche Lena die Ernste und Anspruchsvolle.

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