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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Die Jüdin in der modernen Literatur
Date
1930-07-01
Page
Seite 333 (sequence 14)
Language
German
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DIE JÜDIN IN DER MODERNEN LITERATUR 333 des Wortes, reich an Liebe, reich an Gedanken und reich an Irrtümern. Ihre zwanzig Jahre verleiten sie zu Übertreibungen in ihrem edlen Aufstand gegen des Lebens Niedrigkeit, die sie vor allem ihrer eigenen Umgebung vorwirft. Und ein reiferes Alter lehrt sie begreifen und verzeihen, lehrt sie die Liebe trotz allem, die sehende Liebe, welche die wahre ist. Esther Anseli bildet aber nur einen Teil eines Sittengemäldes und besteht nicht um ihrer selbst willen. U m die großzügigsten Schilderungen moderner Jüdinnen zu finden, müssen wir uns zum deutschen Schrifttum wenden, zu den beiden jüdischen Romanciers, denen wir bleibende literarische Schöpfungen verdanken: Georg Hermann und Max Brod. Hermann hat die zwei modernen jüdischen Frauentypen, von denen die hier besprochenen alle Spielarten sind, mit künstlerischer Vollkommenheit in ein ganz besonderes Licht gerückt. Die stille Emanzipierte, zu einer höheren seelischen Region Gestiegene in seinem Jettchen Gebert; die Leidenschaftliche, im Leben Verirrte in seiner Frau Antony (in „Heinrich Schön Junior''). Das im idealen Sinne Frauliche ist in Jettchen Gebert verkörpert. Sie steht zwischen zwei Zeitaltern und trägt das Edle dieser Zeiten in sich. Die alte Zeit, die von der Frau Hingabe, Treue, Fügsamkeit, Geselligkeit, sorgliche Liebe forderte; und das neue Ideal, das in der Frau einen persönlich lebenden Menschen mit entwickelter Willensfreiheit, mit geschultem Geschmack sehen will und von ihr verlangt, daß ihre Heirat auf persönlicher Wahl beruhe, wofür sie gegebenenfalls ihre Kindesstelle im Elternhaus aufzugeben hat. Jettchen Gebert tritt die Erbschaft beider Zeiten an, in ihr lebt die in Salomos 31. Spruch gepriesene Frau, die ihr Haus zu einem Herd des Glücks macht, und auch die Berliner Salonjüdin, die so verzweifelt um ihre Liebesfreiheit kämpft. Jettchen Geberts Emanzipation ist ein seelisches Sichbefreien, nicht Nachahmung einer Mode; in jenen Tagen um die Mitte des 19. Jahrhunderts galt es noch nicht als ziemlich, in der Liebe frei zu sein. Ihre Befreiung wrar die reife Frucht ihres edlen Blutes, das das Joch von Shadchanuth nicht zu ertragen vermoche. Jettchen muß ihr absonderliches Verlangen nach Wahrhaftigkeit in der Liebe mit viel Leid erkaufen, weil sie noch nicht in einer Zeit lebt, in der man auf jegliche Absonderlichkeit stolz ist, und Aufständigkeit sich in hübsch möblierten Salons breit macht. Gleichwie im wirklichen Leben die Ideen eines edlen Führers in seiner Gefolgschaft entarten

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