Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Die Jüdin in der modernen Literatur
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 332 (sequence 13)
- Language
- German
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332 MENORAH Rebecca of York are strong, and she is less apt to give her heart to Ivanhoe, the Saxon knight, than might be imagined." Rauben Sachs jedoch beugt sich dem Willen seiner Familie und heiratet das verarmte Mädchen nicht, was sie zu Tode kränkt. Sie sieht sich gezwungen, ihre Hand dem in sie verliebten Lee Harrison zu schenken. Aber das wenige „Leben", das ihr bleibt, wird ihr noch genommen, als sie von dem plötzlichen Tode Reuben Sachs' vernimmt. Tränenverschleiert endet dieser jüdische „sketch", der eine ungeschickte, aber tiefempfundene Prosaballade ist1). Jüdische neuzeitliche Neigungen, wie die Anhänglichkeit an die Heimatstadt, das Bedürfnis zu mondänem Leben, das sich mehr zu Hause und im Familienkreise abspielt als draußen in Klubs, werden in Judith verkörpert, die das harmonische Ebenbild ist der sich für Mann und Kinder aufopfernden Ghettojüdin, ein zu verfeinerter Bildung und Kultur gelangtes Mädchen, das jedoch ebenso wie seine Mutter nur in der Wärme des Familienkreises gedeiht: „A sudden longing for the old faces, the old ties and associations came over her as she stood there; a stränge fit of homesickness, an inrushing sense of exile. Her people — oh, her people: to be back once more among them —: When all was said, she had been so happy there." Zahlreiche Jüdinnen, alle der Familie getreu, aber auf ihre eigene Freiheit mehr bedacht, denn auf die Freiheit ihrer Angehörigen, erblicken wir in Miß G. B. Sterns „Tents of Israel" (London, 1924). Aufs lebendigste in dem, was sie unterscheidet und was ihnen gemeinsam ist, sind vor allem die Hauptpersonen geschildert, das alte Familienoberhaupt Anastasia Rakonitz und deren Enkelin Toni; die älteste eine gütige, aber herrschsüchtige, unbändige weltliche Hausfrau, die jüngste ein forsches Mädel, das anzupacken versteht, jedoch als modernes Mädchen völlige Freiheit für sich verlangt2). Zergliedert man die Charaktere, dann muß man die Sucht nach Freiheit und Unabhängigkeit nicht als spezifisch jüdisch, sondern modern kennzeichnen, während man den Hang nach Geselligkeit, nach Mondänität und das kindlich-dramatisch bewegte Familienleben dieser Frauen als jüdische Eigentümlichkeiten abzuschneiden hat. Wieder müssen wir aus dem reichen Werk Israel Zangwills die Esther Ansell-Figur aufrufen, um in ihr die reinste Verkörperung der modernen emanzipierten Ostjüdin, die im Westen erzogen wurde, zu bewundern. Esther ist eine echte Jüdin in der schönsten Bedeutung *) Eine solche Jüdin beschreibt auch Ch. Landstone in seinem „BlueTiger yard*, London 1927. *) Dergleichen energische Jüdinnen schildert ebenfalls Edna Ferber in „Fanny herseif*.