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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 331

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Die Jüdin in der modernen Literatur
Date
1930-07-01
Page
Seite 331 (sequence 12)
Language
German
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DIE JÜDIN IN DER MODERNEN LITERATUR 331 Teil einer Bewegung —, dazu mit so hohem sittlichem Bewußtsein, daß sie wirklich imstande ist, ihre Unabhängigkeit in Reinheit zu tragen1). Weniger gut ist die freiheitliebende, aus Rußland nach Frankreich geflüchtete Ostjüdin davongekommen, deren unbändige Freiheitslust sie in vielen Fällen zur Mätresse eines Franzosen gemacht zu haben scheint. So beschrieb sie Ida See, eine jüdische Schriftstellerin, in „Du ghetto ä TUniversite" (Paris, 1923) als ein hysterisches Frauenzimmer, dem eine beträchtliche Dosis Herzlosigkeit innewohnt. Jacob Levy zeigt sie in ,,Les Pollaks" als begabte Intrigantin, der es um eine reiche französisch-jüdische Heirat zu tun ist, wobei er sie jedoch einen Rest von Herzlichkeit und Güte behalten läßt. Josua Jehouda schildert uns in seinem Roman „Le Royaume de Justice" (Paris, 1923) solch eine kleine russische Jüdin als eine unrastvolle, mit dem Westen assimilierte Frau, die „impulsiv intellektuell" ist, mit Leidenschaft studiert und an sich selbst verbrennt, während sie denkt, durch die Wissenschaft entflammt zu sein. Neben ihr steht ein ostjüdisches Mädchen aus dem Volke, Rebecca Epstein, eine einfache, aufopferungsvolle Frau, der es Ernst ist mit ihren Ideen — Verkörperung der besten „chaluzah". Es könnten wohl noch einige andere Typen emanzipierter Jüdinnen in der modernen französischen Literatur aufgezeigt werden, wie zum Beispiel Rahel in J. H. Rosnys Buch „La Juive" (Paris, 1923), aber im großen und ganzen hat dieser Typus, der äußerst interessant ist, im Französischen niemals eine genügend tiefgehende und lebendige Darstellung gefunden. In Amy Levys etwas in Vergessenheit geratenem, wenig routiniert, aber mit innigem dichterischem Gefühl geschriebenem englischen Roman „Reuben Sachs", in dem ich einen Vorläufer von Zangwills „Grant Ghildren of the Ghetto" erblicke, begegnen wir die Figur einer sympathischen modernen Jüdin, der Judith Qluixano. Sie hat mit den großangelegten, von Juden geschaffenen jüdischen Gestalten, mit Jettchen Gebert und Esther Ansell, eine mächtige und stille Kraft der Selbstaufopferung gemeinsam, also gerade die Kraft, von der die modernen nichtjüdischen Schriftsteller behaupten, daß sie der Jüdin fehle. Sie ist eine Tochter aus gutem sephardischem Hause und besitzt ein nach außen hin verborgenes tiefes Gefühlsleben; diesmal ist es nicht der ewige christliche Geliebte, dem ihre Neigung gilt, sondern ein reicher junger Jude, Reuben Sachs: „Generally speaking the race instincts of *) Kürzlich erschien eine Fortsetzung dieses Werkes: „L'inquiete".

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