Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Die Jüdin in der modernen Literatur
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 328 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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328 MENORAH Genossinnen, was wohl merkwürdig ist, da beim Juden gerade seine Lebhaftigkeit unid Fröhlichkeit aufzufallen pflegt. Vielleicht ist dieser nachdenkliche Ernst um des Geheimnisvollen willen so stark in ihrem Gh arak te rb il d h erausgez eich n et. Nooh in einer anderen kleinen Erzählung aus der französischen Moderne, in „Dina Samuel" von Felicien Ghampsaur (Paris, 1925), finden wir eine arg launenhafte jüdische Schauspielerin, der ein fröhliches, ungebundenes Leben sehr zu behagen scheint. Ich glaube, daß diese Figuren im französischen Schrifttum stark beeinflußt sind durch das, was man vom Leben der beiden jüdischen Schauspielerinnen Rachel Felix und Sarah Bernardt wußte, die sich nicht durch große Keuschheit auszeichneten. Bei Rachel trat eine gewisse Starrheit und außerdem tiefe Mutter- und Familienliebe hervor, wovon sich ihre Liebhaber unangenehm berührt fühlten, während Sarah Bernardts ungestümem Temperament mehr etwas Leichtbeschwingtes, Schmetterlinghaftes eigentümlich war. Dieses Planmäßige, das dem Leben seinen phantastischen Reiz nimmt und das die arischen Schriftsteller bei den Frauen jüdischen Blutes festzustellen vermeinen, das jedoch dem Launenhaften und Wirbeligen, welches dem jüdischen Naturell gleichfalls zugeschrieben wird, widerspricht, dieses Methodische wird mitunter sogar gepriesen. In dem reichlich läppischen Roman „The Jewess of Hüll" (1923) verherrlicht der Verfasser den Handelsinstinkt der Judenfrau und empfiehlt die Jüdin jedem an, der später ein gutes Geschäft, eine angenehme Küche und eine sorgsame Frau sein Eigen nennen möchte. Der Jüdinnentyp, der aber die gesamte moderne Literatur beherrscht, ist der der emanzipierten Frau. Ihre Emanzipation kann zum Höchsten und zum Niedrigsten, zu hoher Menschlichkeit und zum Bordell führen. Hier müssen wir auch schon wieder bemerken, das die emanzipierte jüdische Frau bei den nichtjüdischen Literaten in Wirklichkeit in höhereim Ansehen steht, als es aus ihren Büchern hervorgeht. Schleiermacher, der so christlich schrieb und so eifrig die Salons von Jüdinnen besuchte, gibt einer ganzen Reihe späterer Autoren den Ton an. Alle die minder angenehmen Eigenschaften, die der Frau aus den ersten Tagen der Emanzipation anhafteten, werden meistens betont, als ob es spezifisch jüdische Untugenden wären. Eine starke Neigung macht sich geltend, diese Jüdinnen häßlich abstechen zu lassen gegen die althergebrachte Kultiviertheit, die aristokratische Zurückhaltung von Gestalten aus der nichtjüdischen Welt. Sicherlich wirkt