Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Die Jüdin in der modernen Literatur
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 327 (sequence 8)
- Language
- German
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DIE JÜDIN IN DER MODERNEN LITERATUR 327 Die französische Literatur des 19. Jahrhunderts beherbergt zahlreiche dieser sittenlosen Jüdinnen, und es wäre interessant zu vernehmen, ob die Jüdin wirklich solch einen Vorrang in der französischen Prostitution einnimmt. Indessen dachten nicht alle Schriftsteller so über sie wie Baudelaire, der dichtete: ,,Une nuit que j'etais pres d'une affreuse juive." (Fleurs du Mal, Spleen et ideal XXXIII.) Balzac eröffnet den Reigen der jüdischen Kurtisanen mit seiner Esther Gobseck, einer ,,dame au camelia"-Figur. In den Werken Guy de Maupassant s, dessen jüdische Gestalten gerade nicht zu den edelsten gehören, treffen wir „Mademoiselle Fifi", eine jüdische Prostituierte, die sich als französische Patriotin entpuppt, indem sie sich dem sadistischen preußischen Offizier nicht hingeben will, ihn ersticht, von einem katholischen Geistlichen verborgen wird und später noch zu einer anständigen Heirat kommt. Eine Kokotte und Intrigantin der niedrigsten Art ist Sephora Leemans in Daudets „Les rois en exil", eine Frau, die es auf das Vermögen des unglücklichen, schwachen, in der Verbannung lebenden Königs Christian von Illyrien abgesehen hat. Dieses Planmäßige in Sephoras Vorgehen, das der Nichtjude dem Juden meistens zuschreibt und das bei weitem keine allgemeine Volkseigenschaft ist, wurde meisterhaft von den Brüdern de Goncourt in ihrem berühmten Roman ,.Manette Salomon" wiedergegeben. Manette ist ein Malermodell, das mit dem großen Künstler Coriolis zusammenlebt und ein Kind von ihm bekommt. Sie ist eine phlegmatische Frau, die vor allem ihre Ruhe haben will, indes sie ihren Beruf als Berufung betrachtet und sich an ihrer eigenen Schönheit erfreut. Ihr Kind jedoch entwickelt eine wüste Geldgier in ihr; die Kunst ihres Geliebten opfert sie der Zukunft ihres Kindes. Der ganze Haushalt bei Coriolis bekommt jüdisches Gepräge. Manette besucht wieder die „Schul" und nimmt ihre Großmutter, eine altmodische Jüdin aus dem Volke, zu sich ins Haus. In seinem eigenen Heim wird der Maler ein Fremder, und weil er zu schwach ist, um mit ihr zu brechen, entsteht in ihm ein heißer Haß gegen Manette und ihre Rasse. In Pierre Benoits .,Le Puits de Jacob" (1925) treffen wir wiederum ein Mädchen jüdischen Blutes als Tänzerin mit leichten Sitten, Hagar, die in Palästina Zionistin wird, sich mit dem Führer Cochbas verheiratet und ihr leichtsinniges Leben überwindet. Wie alle von Nichtjuden geschilderten jüdischen Kokotten besitzt Hagar ein größeres Maß von Ernst, Nachdenklichkeit und Genauigkeit als ihre Art-