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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Die Jüdin in der modernen Literatur
Date
1930-07-01
Page
Seite 323 (sequence 4)
Language
German
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DIE JÜDIN IN DER MODERNEN LITERATUR 323 zu bekämpfen, und so sehen wir, wie. es die jüdische Mutter mit taktvoller Vorsicht aufnimmt, ihre Kinder gegen orthodoxe väterliche Autorität in Schutz zu nehmen. L. Golding hat eine solche jüdische Mutter, die als eine Art Puffer zwischen Mann und Kindern steht, in seinem 'Torward from Babylon" (London, Christophers) gezeichnet: die Erau von Reb Monash Massel. Solch eine Frau leidet doppelt, empfindet sowohl das Ungemach ihres Mannes als auch das ihrer Kinder; sie schmerzen die Wunden, die „haskalah" dem orthodoxen Glauben schlägt, und nicht minder fühlt sie die peinvoll drückenden Fesseln, weil che die Rechtgläubigkeit den ,,niaskiliem*' anlegen will. Ein dergleichen Los ist zu schmerzensreich, als daß es lange ertragen werden könnte. Erschöpft sterben diese Frauen, mit einem Gebet im Herzen, daß Eintracht wieder einkehren möge in ihre Familie, voll banger Sorge, daß mit ihrem Verscheiden die Familienbande völlig zerreißen könnten: Philip Massels Mutter stirbt einen frühzeitigen Tod. Eine Frauengestalt dieser Art schildert auch die holländische Erzählerin Carry van Brüggen in ihrer Verlassenen", die ebenfalls tröstet, leidet und stirbt und die Familie rettungslos, durch Zwietracht zerstört, zurückläßt. Die dem Ghetto entwachsene bürgerliche Jüdin, die sich von ihrer Stammesgenossin im Ghetto nur durch religiöse Freigeisterei unterscheidet, hat Georg Hermann aufs lebendigste in den kleinen Nebenpersonen seiner beiden Romane ,,Jeltchen Gebert" und Henriette Jacoby" skizziert: in Tante Hainichen, Tante Riekchen und Tante Minchen. Sie sind reich und sorgen dafür, daß sie reich bleiben. Es sind Familienwesen im schlechten und im guten Sinne des Wortes. Wenn sie zusammen sind, pochen sie auf das, was sie das ihre nennen, und wenn sie auseinandergegangen sind, dann führt die eine über die andere üble Reden. Dennoch fühlen sie sich vollkommen eins, und sie haben den schönen jüdischen Familienzug bewahrt, daß sie für einander bürgen. Es lag keineswegs in Georg Hermanns Absicht, in diesen kleinen, den Heimchen feindlich gesinnten Ameisenfrauchen ein Bild der Jüdin zu entwerfen. Nur mittelmäßige Menschlein sind es, von jener Art, die die Welt im Stande erhält und mit ihr menschliche Bosheit und Kleinheit. Kleine Zugvorhänge gegen die Stürme des Idealismus; Sonnenschirmchen gegen die Strahlen des vollkommen Guten. Alle die bislang angeführten Frauentypen sind wenig besonderer Art, sind von des Autors Hand aus der großen Masse herausge-

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