Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1930)
- Article
- Die Jüdin in der modernen Literatur
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 322 (sequence 3)
- Language
- German
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322 MENORA Ii keifende Gattin gewesen ist und auf deren üppigem Leih später im Himmel ihres Mannes Füße sanft ruhen sollen. Aufs reizvollste hat Mendale solch eine „Mirchaät** von der schlimmsten Sorte in „Die Reisen von Benjamin III" geschildert (die Frau Reh Sendrils). In zahlreichen modernen Stücken, beispielsweise in Seholem Aleichems „Wie schwer ist es a .Jid zu sein" (jiddisch), in Goldladens „Die zwei Kuni Lernel" (jiddisch), in Schürmans „Die Levkojen" (holländisch) usw. kommt sie ebenfalls vor. Neben ihren vielen schönen Gaben, ihrer Traditionsliebe, ihrem Mutterherz, ihrer Frauentreue, besitzt sie zwei unangenehme Eigenschaften: Keif sucht und Hechelbedürfnis, die mitunter die Oberhand gewinnen und zu vielerlei Exzessen führen. Infolge dieser üblen Eigenschaften ist sie immer alt und hat sie niemals Jugend gekannt. Lega hithonnena lamid al gorala ha mar im ki hajela hameuschara benaschiem1). Hechelsucht und Keiflust vergällen das Leben der Mutter Beem in Goudsmits „Suchende**, der alten Mutler de Leeuw in Bernard Ganters „Kalverstraat" (zwei holländische Bücher) und in zahlreichen anderen Erzählungen. Dicht an diesen Frauentyp grenzt die würdevolle, altmodisch traditionsgetreue Jüdin, die Mutter in den ..Fünf Frankfurtern'*, dem Lustspiel von Karl Rößler, eine brave, ernsthafte Frau, die über ihrer Familie thront und dafür sorgt, daß die Familieneinheit bewahrt bleibt. Diese Frau, um welche die Familie einen liebenden, ehrerbietigen Kreis bildet, wurde ebenfalls in der Skizze ..Ostern**, die in M. van Kampens Novellenband ..Bikcerim'* (holländisch) enthalten ist. mit feiner Innigkeit dargestellt. Aber auch sie kann entarten. Ihr Familienregimenl kann zu grotesker Kleinigkeitskrämerei werden, die sich in alles einmengt und von der Nachkommenschaft wohl oder übel ertragen werden muß, wie man's in Miß G. Sterns Roman „Tents of Israel'* liest; oder es wird unduldsame, barsche Herrschsucht daraus wie in Joost Mendes' „Das Geschlecht der Santeljanos*". (Roman einer holländischen sefardischen Familie.) Nicht stets ist die Ghettojüdin eine gestrenge Frau, die bei Schulchan Aruch die Wacht hält und darauf achtet, daß ihre Kinder den Geboten der Überlieferung nachkommen. Aus Mutterliebe ist es ihr oft unmöglich, bei ihren Kindern den Drang nach freier Entwicklung und Wissenschaft mit den strengen Mitteln, die ihr Mann von ihr fordert. l) Mendale Mocher Sefarim „Ha-awoth wehabanim": Sie klagt immer über ihr "bitteres Los, als ob sie die unglücklichste aller Frauen wiive.