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Menorah · 1930-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1930) · p. Seite 321

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1930)
Article
Die Jüdin in der modernen Literatur
Date
1930-07-01
Page
Seite 321 (sequence 2)
Language
German
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DIE JÜDIN IN DER MODERNEN LITERATUR 521 Das 19. Jahrhundert begann aufmerksamer zuzusehen. Die Juden kamen aus ihren Ghettoschlupfwinkeln hervor und besehrieben sich selbst und ihr Leben in allerhand Schriften. An Stelle des Mangels an Beobachtungsschärfe, der eine frühere Zeit kennzeichnete, tritt nun ein Zuviel. Früher sah man nicht, was war, jetzt sieht man. was nicht ist. Jegliche Äußerung einer Jüdin, die spontanste sogar, wird besonderer Absicht zugeschrieben oder als Merkmal ihrer Rasse hervorgehoben. Anfangs scheinen die Juden so sehr dem kulturellen Einfluß ihrer Gastvölker zu unterliegen, daß auch die jüdischen Schriftsteller selbst von ihren Frauengestalten Urbilder der Jüdin machen wollen. Aber später bekommen sie ihre kühle Besinnung zurück, und nunmehr unterscheidet sich das von einem Juden entworfene Bild der Jüdin durch ruhigere und verständnisvollere Darstellungs weise von dem. welches Nichtjuden ins Schrifttum brachten. Die am meisten vorkommende jüdische Frauengestalt, die kleinbürgerliche oder die arme Jüdin des Ghettos, wurde von Nichtjuden sehr wenig beschrieben. In der jüdischen Literatur, und namentlich der ostjüdischen, erhielt sie den Platz, der ihr zukam. Bei keinem einzigen Roman jedoch bildet sie den Mittelpunkt, obwohl sie in beinahe allen jüdischen Erzählungen ihre Stelle einnimmt. Die alte, fromme jüdische Großmutter, die „Bube", finden wir geistreich in Zangwills ..The Melting Pofk gezeichnet, als die Mutter der Quixanos, die von keinen Zugeständnissen wissen will, „schulchannrng" als Richtschnur des Lebens besitzt und auf die hübscheste Weise noch besonders ins Licht gesetzt wird durch das ihr so treu dienende irische Christenmädchen Kathleen O'Reilly; letzterem ist mit dem verwässerten Judentum der jungen Generation nicht gedient, und sie nimmt einen streng talmudischen Standpunkt ein. M. J. Lancia sagt in „The Jew in Drama4' von den beiden: „The grandmother is a da ring creation. She speaks Yiddisch only, a hold touch of artistic realm, succesfully carried out. The Yiddishspeaking trish servant-girl is the mos! delieious character delineation of all, instinet with the old Zangwillian touch". Eine solche alte jiddische Bube, verirrt in den kühlen Westen Europas, brachte Zangwill auch in seinen ,,Children of the ghetto44: Moses Ansells alte Mutter, die alle ihre Leiden dem breiten Rücken des gottlosen Englands aufpackt. Ein übermäßiger, aber gütiger und komisch wirkender Stolz auf ihre Kinder zeichnet diese so jüdische Frauengestalt aus, die in jüngeren Jahren eine treue und treuherzig

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