Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Der Bericht der Untersuchungskommission für Palästina
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 297 (sequence 4)
- Language
- German
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DER BERICHT DER UNTERSUCHUNGSKOMMISSION 297 Dun am mit Wintersaat. Die ganze angebaute Fläche; würde demnach 3,789.440 Dunam beiragen. Da aber ein erheblicher Teil der Ernte bei der Veranlagung zum Oscher unterschlagen wird, ist diese Ziffer zu klein. Soweit es bekannt ist. berechnet das Landwirt schaftsdepartemenl die Menge, die der Steuer entzogen wird, auf 10 bis 15 Prozent der Ge- >am(ernle. Erhöhen wir also dementsprechend auch die Ziffer für die Anbaufläche, und zwar, um weilherzig zu sein, um 20 Prozent. Dann kommen wir auf 4,547.368 Dunam. Da aber der Fellach nach dem üblichen Dreifeldersystem jedes Jahr ein Drittel seines bewirtschafteten Bodens brachliegen läßt, müssen wir auch diese Ziffer noch um 50 Prozent heraufsetzen. Es ergibt sich also, daß in Palästina insgesamt 7,321.052 Dunam bestellt werden, und zwar nicht jedes Jahr, sondern in dreijährigem Turnus, und dies nach den Ziffern der antizionistischen Regierung. Da sich aber diese Angaben, auf das ganze Land beziehen, muß hievon noch die angebaute jüdische Bodenfläche abgezogen werden. Mit 400.000 Dunam ist sie eher zu niedrig als zu hoch angenommen. (Im Jahre 1929 waren es 153.570 Dunam.) Es ergibt sich also, daß die Araber tatsächlich nur 0,921.000 Dunam anhauen. Wenn sie aber von den 10 Millionen Dunam, die sie besitzen, nur (V9 bearbeiten und fast 31 Millionen ungenützt liegen lassen — ■ wie kann man dann behaupten, daß diese 10 Millionen gerade ausreichen, um ihnen eine Existenz zu ermöglichen? Die Kommission hat dabei ausdrücklich das Weideland und die großen Flächen des dünnbevölkerten Xegew südlich von Berseba aus ihren Betrachtungen ausgeschlossen, obwohl nach dem Bericht der Expertenkommission der Jewish Agency, auf den sie sich sonst berufl, dort wahrscheinlich große Flächen bewässerbar und daher mit Mutzen bewirtschaflbar sind. Die Kommission kam zu ihrem erstaunlichen Ergebnis, indem sie annahm, daß eine arabische Familie durchschnittlich aus fünf Seelen besteht, und so aus der arabischen Landbevölkerung eine große Familienzahl herausrechnete. Bei der kolossalen Fruchtbarkeit der eingeborenen Bevölkerung und nach allen praktischen Erfahrungen ist diese Schätzung, für die keinerlei Anhaltspunkte angegeben werden, aber sicher zu klein. Die Familien sind zweifellos größer und ihre Gesamtzahl ist entsprechend kleiner. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die Konimission die arabische Landbevölkerung überhaupt zu hoch veranschlagt hat. Denn es handelt sich dabei ja um eine reine Sehälzungsziffer. Aber unterstellen wir trotzdem auch weiterhin, daß alles, was über diesen Punkt im Bericht steht, richtig ist, muß dann nicht ein landloses arabisches Proletariat, ganz o h n e. j ü d i s c. h e K o t o n i s a t i o n, entstehen, weil ja für den kolossalen Geburtenüberschuß der Fellachen bereits kein Platz mehr vorhanden wäre, da der Boden gerade nur ausreichen würde, um die heulige Bevölkerung zu ernähren? Da der arabische Geburtenüberschuß im Jahresdurchschnitt fast 17.000 Seelen beträgt, wovon mehr als die Hälfte auf die Landbevölkerung kommt, muß diese Gefahr doch schon jetzt brennend sein. Was soll dann aus diesem Proletariat werden, da das Land doch nach der Erkenntnis der Kommission zu arm ist, um ihm außerhalb der Landwirtschaft eine Beschäftigung zu geben? Gerade das hätte die Kommission logischerweise veranlassen müssen, die jüdische Einwanderung zu begrüßen, weil sie durch die Kapitalien, die sie mit sich bringt, diesen landlosen Elementen Arbeitsmöglichkeifen eröffnet. Denn wenn auch die Juden die Tendenz haben, nur jüdische Arbeiter zu beschäftigen, so fließt doch durch Hausniieten und Lebensmittelkäufe ein großer Teil des jüdischen Geldes in arabische Taschen. Der ..verdrängte'4 Fellach kann sich als Bauarbeiter bei dem arabischen Bauherrn sein Brot verdienen, der an Juden vermietet, und der weiter auf seiner Scholle sitzende findet einen größeren Absatzmarkt unter den Einwanderern. Denn die jüdischen Landwirte erzeugen zum guten Teil Exportprodukte, eine Tendenz, die immer stärker wird (Orangen, Wein, Bananen), und decken nicht den Bedarf der Immigranten. Sie müßte es ferner begünsti-