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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 296

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Der Bericht der Untersuchungskommission für Palästina
Date
1930-05-01
Page
Seite 296 (sequence 3)
Language
German
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296 MENORAH allgemein üblich ist. Die Grenze des Osljordanlandes isl aber von Jerusalem nur etwa eine Autostunde entfernt! Mehr als das: Der Verkehr zwischen den beiden Ufern des Flusses ist, besonders für Araber, praktisch ungehemmt. Es besteht nicht etwa ein Pa߬ oder ein Visazwang oder gar eine Zollkonirolle. Alles, was der Passani der Allenby- Brücke zu tun hat. isl. daß er seinen Namen bei der Brückenwache in ein Buch einschreibt. Die Kommission, die doch feststellen soll, wie künftighin Unruhen vermieden werden können, hat sich mit diesen Verhältnissen überhaupt nicht beschäftigt. Ebensowenig hat sie die sehr naheliegende Möglichkeit geprüft, ob nicht die Aussicht auf ..Beutemachen" eine der unmittelbaren Ursachen war, die zu den Unruhen führte. Sie hätte einen gewissen Anhaltspunkt dafür gewinnen können, wenn sie nachgeforscht hätte, in welchem Umfange die Araber Plünderungen vorgenommen hatten. Aber auch diese Spur verfolgte sie nicht. Sie hat nicht einmal das Elementarste getan, das jede Instanz tut. die mit der Sicherung der Ruhe in arabischen Ländern betraut ist: Sie hat sich gar nicht mit dem Beduinenproblem beschäftigt, obwohl es bekannt ist, daß die Beduinen ein ständiger Unruhefaktor sind und die Behörden genug damit zu tun haben, die seßhafte Bevölkerung vor ihren Überfällen zu schützen. Danach ist es nicht mehr erstaunlich, daß die Kommission es unterlassen hat, mögliehen Intrigen seitens in- und ausländischer Interessenten politischen und religiösen Charakters nachzugehen. Statt sich mit diesen und anderen, für die Ruhe im Lande sehr wichtigen Fragen zu beschäftigen, sprang die Kommission frisch und munter in den Hexenkessel der großen Politik und fischte dort die Erkenntnis heraus, daß die jüdische Kolonisation ohne die Verdrängung der Fellachen vom Boden nicht möglich ist, weil es keine freien Flächen mehr gibt, die Intensivierung der Landwirtschaft aber sehr problematisch ist. Werden die Fellachen aber aus ihrem Berufe herausgedrängt, dann entsteht ein landloses arabisches Proletariat, das eine dauernde Gefahr für die Sicherheit bedeutet. Den Nachweis, daß keine anbaufähigen leeren Terrains mehr vorhanden sind, bringt die Kommission dadurch, daß sie das gesamte in arabischem Besitz befindliche Areal, etwa 10 Millionen Dunam, durch eine geschätzte Ziffer für die arabische Landbevölkerung teilt, wobei sie herausbekommt, daß jede Familie gerade so viel Boden hat, wie sie braucht, um eine Existenz zu haben, rund 100 Dunam. Wir wollen einmal alle diese in mancherlei Hinsicht erstaunlichen Behauptungen kritiklos als richtig betrachten: Wie kommt es dann, daß nach den amtlichen Angaben derselben Regierung, von der die Kommission offensichtlich ihre Kenntnisse geschöpft hat. die Araber bei weitem nicht ihre 10 Millionen Dunam bearbeiten, obwohl diese doch gerade nur ausreichen sollen, um ihnen ihren Lebensunterhalt zu gewähren? Rechnen wir einmal die Ziffern des amtlichen Blaubuches nach, das jährlich die a m l 1 ic h e n statistischen Daten über Palästina zusammenfaßt — nicht in Zusammenhang mit Uniersuchungskommissionen. In den Angaben für 1928, den letzten, die veröffentlicht wurden, sind die Erntemengen wiedergegeben, wTie sie anläßlich der Veranlagung zur Oschersleuer festgestellt wurden. In anderem Zusammenhang hat das Landwirtsehaftsdeparlement der Regierung den Durchschnitt serlrag pro Dunam für die verschiedenen Produkte bekanntgegeben. Der jüdische Agronom Zagorodsky, Mitglied der Regierungskommission für die Reform des Oscher, hat sie am 28. Februar 1927 in Nr. 4, Vol. II der Tel- Aviver Zeitschrift "Palestine and Near Fast Economic Magazin" abgedruckt. Wir können daher durch Division des amilichen Ergebnisses durch den Durch schnitlser trag pro Dunam für jedes Produkt feststellen, welche Fläche damit bestellt ist. und so das gesamte angebaute Areal des Landes errechnen. Es ergibt sich dann, daß 1928 über eine Million Dunam mit Weizen, 0778 Millionen mit Gerste, alles zusammen 2,052.610 Dunam mit Sommersaaten bestellt waren. Dazu kommen U09 Millionen mit Durrah, 0*098 Millionen mit Sesam oder insgesamt 1,730.824

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