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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 274

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Juden in der modernen Musik
Date
1930-05-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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274 MENORAH Expressionismus. Nicht allein in der melodischen Sprache, sondern auch in der Sprache des Bildes. Das Bild hat nichts von der erdrückenden Plastik und klaren Umrissenheit. wie etwa bei Griegs „Morgen - Stimmung". Es spricht aus sich heraus. Es spricht mit. Es hat seine eigene Expressivität, der der Menschen adäquat. Es ist eben schon nicht mehr Bild, sondern aufgelöste Dynamis. ein großes Pathos der Sprache und der Leidenschaft. Alles ist Einheit, Vereinigung, unio mvstica. Darum ist das Werk lyrisch. Weil seine Sprache bei Mensch und Landschaft aus sich heraus spricht, weil es nicht malt, sondern aus drückt. Man mag bei diesem Werk formale Einflüsse von Wagner her leiten. Was man nicht von Wagner herleiten kann, ist seine Lyritäl. Also das Entscheidend-Essentielle. Vergleichen wir hiezu die ..Dreimal sieben Gedichte aus Albert Girauds Pierrat. Lunaire", die für eine Sprech stimme, Klavier. Flöte* Klarinette, Geige und Violoncello geschrieben sind. Es sind also Melo dramen. Nun könnte dies im ersten Augenblick den Anschein erwek ken, als seien sie gerade dadurch dem Lyrischen entfernt, weil ja das Wort nicht gesungen wird, die Musik also ungebunden mitgeht. Aber das ist nicht eine Überwindung des Lyrischen, sondern im Gegenteil ein Weg >veiter zum Lyrischen. Denn hier ist die Musik bis zu einem äußersten Grad autonom. Es sind wohl S p r e c h m e 1 o d i e n, die sich zunächst nach der Tonhöhe zu richten haben, aber der Unterschied zwischen Sprechion und Gesangton ist der: daß der Sprech ton sofort durch Steigen oder Fallen wieder die Tonhöhe verläßt, während der Gesangston die Tonhöhe festhält. Man mag zunächst den Eindruck des Experiments haben, doch verschwindet dieser Eindruck sofort, wenn man den innerlich konsequenten Weg Schönbergs verfolgt: er mutöte aus dem lyrischen Grund gefühl heraus zu der Überwindung der reinen Liedform kommen. Hier ist der formale Zwang bis zur äußersten Grenze umgangen. Die einzelnen Tonhöhen werden noch eingehalten, doch ohne den Druck des Verweilens, lediglich als Deutung des entsprechenden Gefühlsausdruckes. Schönberg mußte diesen Weg gehen, aus seiner Konsequenz der immanenten Lyritäl; denn mit dein Dramatischen haben diese Gebilde nichts zu tun, wenn man sie auch Melodramen nennen mag. Ich erspare mir eine Zergliederung des ganzen Werkes. Wer sich darüber nicht im klaren ist. der möge eines der Lieder zur Hand nehmen, wie .,Mondestrunken';. oder ..Parodie/', oder irgend ein anderes. Auch op. 17, die ,.Erwartung \ möge er zur Hand nehmen, um zu sehen, wie sehr Schönberg das Problem der ,.Gestaltung" von innen

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