Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Die Juden in der modernen Musik
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JEDEN IN DER MODERNEN MUSIK 273 ..Verklärte Nacht'" ist nach der Dichtung Dehmels eine4 ..epische" Dichtung, die n-hi*r ihren lyrischen Grundcharakter von vornherein nicht verleugnen kann. Zwei Menschen wandern in der Mondnacht, und wandernd erzählen sie ihre Gefühle. Alles isl Ausbruch. .Jeder der fünf Sätze ist ein Aufwühlen aus den tiefsten Dimensionen des seelischen Erlebens. Besonders der zweite Satz, der die Klage des Weihes schildert, ein unheimliches Anschwellen, von einer Geigcnligur unterbrochen, bis in einem höchstgesteigerten tortissimo die gähnende Leere der Nacht aufbricht. Aber auch die anderen Sätze sind von vulkanischer Eruplivität. Eber dem tiefen D der Nacht wächst das Leid empor bis zu den höchsten Tönen der Geigen, um dann mit schmerzlicher Einsicht abzubrechen. Das Weil) beginnt die Selbstanklage seines Vergehens. Wieder ein dunkles Motiv aus der 'tiefe, das sich bis /um Paroxysmus steigert, um dann wieder einzusinken. Alles ist Eruption, Emotion. Dann beginnt das innige Zwiegespräch zwischen Mann und Weil), das - adäquat durch Cello und Geige geführt wird. Der Rhythmus wechselt, spricht eindringlich und gewaltig, und wieder zart und weich, zwischen Vierviertel- und Dreivierteltakt hin und her. bis er nach einer breit ausladenden Schilderung zum zarten Gesänge übergeht, zum Ausdruck des Muttergefühls. Nach einem Crescendo zu neuer Höhe getrieben, beginnt die schon erwähnte Anklage des Weibes. Im dritten Satz gleitet ein motivisches Rezitativ von der ersten Geige zur Bratsche, in geisternder Sprache wird von der Mondnacht erzählt, ein Nachtgemälde. wie man es nur etwa aus Mahlers siebenter Sinfonie kennt. Dann beginnt das Cello den vierten Satz, der das Schimmern des Weltalls schildert. Über den glitzernden Pizzicati der Bratschen und Celli, die den geisterhaften Glanz malen, formt sich die ungemein zarte Melodie der ersten Geige. Wieder beginnen Cello und Geige eine Zwiesprache zwisc hen Mann und Weib. Darüber bleibt das rezitativische Motiv sehweben, und so beginnt der letzte Satz, der wieder die Mondnacht zaubert mit ihrem flimmernden Glanz in der Zwiesprache der Geigen. Es schließt sich das erste Motiv an. nun nicht mehr von der tragischen Schwere, sondern langsam in die Verklärung übergehend. Zuletzt erzählt nur noch der mondbesehienene Wald von dem Glück der Verleinigung, von der Verklärung. Man empfindet sofort: das ist impressionistisch. Dieses Gemälde der Nacht mit allen düsteren Heimlichkeiten und Unheimlichkeiten, voll Glanz und Schwere, Leidenschaft und urweltlicher Einigkeit. Aber das ist es: es ist mehr. Es ist nicht nur Impressionismus, es ist auch