Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Die Juden in der modernen Musik
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
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DIE JUDEN IN DER MODERNEN MUSIK 275 Her sucht — das heißt von der Lyriläl —. daß er ein dramatisches Geschehnis von einer einzigen Person bewältigen läßt, also aus der subjektiven Entladung, aus dem Ich, und nicht aus der dramatischen Verknotung der äußeren Handlung. Diese lyrische Grundnote zieht durch sämtliche Werke Schömbergs. Ich weise nur flüchtig darauf hin: op. 1: Zwei Gesänge: op. 2: Lieder: op. 3: Lieder; op. -I: ..Verklärte Nacht"' (siehe oben'!: ohne Opuszahl: ,,Gurrelioder": op. 5: ..Pelleas und Melisande": eine sin Tonische Dichtung, aber durchaus polyphon gehalten; op. (3: Acht Lieder; op. 7: Streichquartett in D-Moll, vier Sätze aufgelöst in einen ein zigen. aus dem ersten Satz, wachsen organisch die drei anderen, das Harmonische tritt hinter das Melodische und Rhythmische zurück: •op. 8: Sechs Orchesterlieder; op. 9: Kammersinfonie E-Dur. derselbe Aufbau wie in op. 7. nur prägnanter, lapidarer. Ganztonskala und durchschlingendes Quartenmotiv, Klangfarbe; op. 10: Streichquartett in Eis-Moll, dritter und vierter Satz Vereinigung des Liedes mit dem Adagio, letzter Satz besonders lyrisch; op. 11: Drei Klavierstücke, aphoristisch, nur melodische Linie, atonal. Auflösung der Konsonanz: op. 12: Zwei Balladen: op. 13: ..Friede auf Erden". Chorwerk, polyphon, melodisch: op. 14: Zwei Lieder; op. 15: Fünfzehn Gedichte aus Stefan Georges „Buch der Hängenden Gürten"; op. 16: Fünf Orchesterstücke, zweites und fünftes Stück rein lyrisch: op. 17: ..Erwartung" (siehe oben): op. 18: ,,Die glückliche Hand". Chor, „inonodramatisch" (man bedenke, daß ein Monolog im Drama immer subjektive lyrische Entladung ist); op. 19: Sechs kleine Klavierslücke, gilt was von op. 11: op. 20: ,,Herzgewächse". Lied nach?daelerlinck; op. 21: ..Pierrol Lunaire" (siehe oben); op. 22; Vier Orchesterlieder usw. Ich gebe nur Andeutungen, weil es mir darum zu tun ist. das Wesentliche herauszuschälen: Schernbergs Lyrität. Mit unbedingter Konsequenz treibt ihn eine gefühlsmäßige Logik vorwärts, von der Harmonie weg zur Melodie. In ihm hat sich der Kampf unserer Zeit vollzogen, deshalb steht er repräsentativ, noch stärker als Mahler losgelöst von der Vergangenheit — gleichsam in der Zukunft. Mahler ist Brücke, aber Scihönberg ist schon das andere Ufer. End unter beiden rauscht der breite Strom ihres Blutes, das vom Abend weg zum Morgen deutet.