Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 8 (1930)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1930)
- Article
- Die Juden in der modernen Musik
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 MENORAH nur instrumental. Aber Satze wie der zweite Zwischensatz, der Choral nach dem zweiten Coda, die Fuge des zweiten Hauptthemas und andere Teile weisen auf die Unterlegung des Liedes. In der achten ist der größte Aufwand vokaler Mitlei benützt: sieben Solisten, zwei gemischte Chöre, ein Knabenchor. Sie ist auch instrumental die kolossalste. Uber allem braust der Gesang des ,,Veni creator spiritus*', braust jener Unsterblichkeilsgesang Fausts am Schluß des zweiten Teils, das „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis'' im Chor und Solistengesang bis zu dem Ausklang: ..Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan". Nach ihr kommt das ,,Lied von der Erde/', das die Texte aus Bethges ..Chinesischer Flöte** zugrunde liegen hat. Die sechst e, s i e b e n t e und neunte sind Instrumentalsinfonien, die dem rein Liedmäßigen lerner stehen. Sie ringen um die Melodik von anderer Seite her. Nehmen wir dazu noch das große Chorwerk: „Das klagende Lied", das der Achtzehnjährige begonnen hatte, der Zwanzigjährige vollendet, die Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn*1, die erschütternd einfachen „Kindertotenlie/der'* und seine Lieder aus der letzten Zeit: so haben wir die Umrisse eines großen Lyrikers, der mit unzerstörbarer Leidenschaft um das melodische Problem unserer Zeit rang und der es — in seiner Art — auch löste. Das ist die eine Seite seiner großen sinfonischen Versuche idie darum noch lange keine Versuche sind!). Die andere Seite ist der Gedanke der Auflösung der herkömmlichen sinfonischen Gesetze, der Thematik, der Periodizität, der Sonate, aller äußeren Hemmungen zur grandiosen Entfaltung des inneren Stromes. Man kann versuchen, ihn herkömmlich zu zergliedern: es mag in den früheren Werken zum Teil — aber auch nur zum Teil — gelingen. Später ist es unmöglich, ihn überhaupt nur gesetzlich zu messen. Aber das ist das Bleibende an diesen Werken: der Kampf gegen die Gesetze ist kein rationaler, sondern ein immanent begründeter. Mahler überwindet sie aus innerer Notwendigkeit. Wäre seine Überwindung eine theoretische wie bei Wagner, so käme sie über ein einmalig-persönliches Geschehnis nicht hinaus. Aber hier spricht das Werk selbst. Mahler schwankte fortwährend zwischen heiterer Lebensbejahung und düsterem Pessimismus, zwischen Freude und Melancholie, zwischen Natur-Idolatrie und Weltabkehr. Die erste Sinfonie beginnt mit einer müden Melancholie und steigert sich in groteskem Wechsel zwischen Hell und Dunkel, zwischen Totenmarsch und skurriler Tierbegleitung, bis zum Allegro furioso .,als der plötzliche Ausdruck eines im Tiefsten verwundeten Herzens". ..DaH'infersno al Paradiso44: das ist