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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 268

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Juden in der modernen Musik
Date
1930-05-01
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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268 MENORAH sehen Romantik aufgehalten, ihn dürstete nach Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit konnte er aber nirgends finden als im Süden. Er hat das Wort von der ..Musik des Südens", von der ,,Versüdlichurtg der Musik" geprägt. Und „Carmen*' begegnete ihm auf diesem Weg zum Süden als erstes Werk. Darum spielte er es gegen Wagner aus. vJTuslav Mahler ist der symbolische Träger der großen musikalischen Wende. Was bei Bizel in der (Iper angedeutet ist, vollzieht sich hier in einem lebendigen Prozeß auf dem Gebiet der Symphonie und des Liedes und vollendet sich in Arnold Schönbergs Musik aus dem reinem Gefühl, die. losgelöst von jeder harmonischen Herrschaft, urgesetzlich herauswächst und mit dämonischer LeidenschafI den Anfang verkündet. Mahlers Vermächtnis ist das geistigste auf dem sinfonischen Gebiet seit Beethoven. Brahms. Liszl, Ralf, Tausig bis Bruckner haben in den alten Bahnen wehergesehalTen. in einzelnen Teilen Bruckner ausgenommen. Erst Mahler hat ein s i n f o n i s c h e s F o r m p r oblem aufgeworfen. Das heißt: er wollte eben ihre formale Struktur auflösen und eine ..unendliche Melodie" schaifen, aber in ganz anderem Sinne als Wagner. Alle Thematik im alten Sinne ist aufgehoben. Die Zerlegung seiner Sinfonien in Sonatenschemala zerbricht an der vollständigen Voraussetzungslosigkeit dieser Musik. An die Stelle des Themas tritt ein melodisches Urgebilde aus wenigen Klängen — zum Beispiel in der L Sinfonie ein Quartenmotiv — das sich im Verlauf der Musik aus seiner Keimexistenz entfaltet und ins Monumentale wächst. Die Sonate ist entrechtet. An ihre Stelle tritt so etwas wie ein litera risch es Programm. Aber man wirft das ..Literarische" von gegnerischer Seite zu sehr ins Gewicht. Eine Erklärung, die ein Komponist n a c h seinen Werken gibt, ist noch lange keine ..Theorie", die er ihm zugrunde gelegt hat. wie bei Wagner. Zudem gilt es nur bis zur vierten Sinfonie. Später ist er freier geworden und hat allein die Musik ihre Sprache reden lassen. Man mag die ..literarischen'* Einflüsse feststellen können. Man mag E. T. A. HotTmann, Dostojewski, Hölderlin. Jean Paul feststeilen, zumal Maliter solche Aussprüche liebte wie: „Dostojewski sei für junge Musiker wichtiger als Kontrapunkt." Das könnte höchstens seine Vergehst ignng der Musik beweisen, die Manifestation einer Idee sein will und daher des ..Literarischen"' nicht entraten kann. Will man seine 11. G u s 1 a v M a h 1 e r

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