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Menorah · 1930-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1930) · p. Seite 244

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
8 (1930)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1930)
Article
Die Stadt der Toten
Date
1930-05-01
Page
Seite 244 (sequence 4)
Language
German
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244 MENORAH durch den Kopf, wenn er sie sieht. Es wird ihm eigen ums Herz vor ihr, als wäre er jener alte, treue Diener im Märchen, dem die hohe Ehre zufiel, eine Prinzessin zu hüten. Der alte Dan hat graue harte Augen und einen bösborstigen Bart. Er weiß es und versucht, vor Bejle ein grimmiges Gesicht zu machen, wenn er streng sein will. Doch die Kleine fühlt Großvaters gutes Herz und lacht; — sie lacht so freudig hell, daß der alte Dan mit den Augen blinzelt; dann brummt er etwas und — seine Finger streicheln ihr seidenweiches Kinderhaar. Doch der alte Dan hat seine liebe Sorge mit dem Kind: ,,Ich weiß nicht, das Mädel kennt keine Furcht! Da klettert sie schon wieder auf die Bäume! Jetzt springt sie über den Zaun! Hui, da rennt sie zwischen den Gräbern herum: ich versuche es nicht erst, sie einzuholen! Vergebene Mühe! . . Dort, wo der Fluß am Fuß des Flügels vorbeifließt, auf dem der Friedhof liegt, ist die Totenstadt nicht umzäunt. Dort stürzt der Abhang jäh zum Flußufer hinab. Dan hat Furcht, jenem Orte auch nur nahezukommen. Doch Bejle springt furchtlos den Abhang hinab und wieder zurück und badet und schwimmt lustig im Flusse.. . Noch eines beunruhigt den Alten: ,,Da redet sie mir wieder mit jemandem; jetzt lacht sie gar. Sie ist mit »ihnen* zu vertraut. Sieht sie sie denn? Es ist kein gutes Zeichen, wenn ein Lebender mit ,ihnen' so vertraut ist... Sie ist ein Kind, noch rein von Sünde. Da haben ,sie' keine Macht über sie: aber... Jetzt redet sie schon wieder!... Bejle! Mit wem sprichst du dort? .. Argen Schrecken aber steht der Alte aus, wenn Bejle — das kommt allerdings nur selten vor — ruhig sitzt und in Gedanken versinkt. Dann runzelt sich ihre wreiße, glatte Kinderstirn wie bei einem steinalten Greise. Zwischen den schwarzen schmalen Brauen zeichnet sich eine lange dunkle Furche und wirft einen Schatten auf das helle Gesichtchen. Die hellen blauen Augen werden dunkel und finster, beinahe schwarz wTie ein grundlos-tiefer Bergsee. Der Alte zittert: er sieht, wie das Kind sich quält, um sich an etwas zu erinnern. Ihr Gesicht wird blaß und alt. So hat ihre Mutter ausgesehen, ja, ihre Mutter — sie ruhe in Frieden! Das Bild seiner Tochter steht lebhaft vor Dans Augen . . Bejle!" — ruft der Alte mit zitternder Stimme — Willst du nicht etwas essen, mein Kind? . . xxuf dem Friedhof stehen einige Birnbäume, auf denen kleine harte Birnen wachsen. Bejle hat großes Vergnügen daran, die herben

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